top of page

Vitamine und Nährstoffe

Aktualisiert: 8. Juni

Gesunde und Vitaminreiche Nahrung
Gesunde und Vitaminreiche Nahrung

Warum unser Salat keine Superhelden mehr produziert – und was wir dagegen tun können.

Ein humorvoller, aber ernster Blick auf Vitamine, Nährstoffe und die Kunst, sich in einer ausgelaugten Welt gesund zu halten

von hpb-beratung / Juni 2026

„Du bist, was du isst." – Das stimmte. Heute müsste der Satz lauten: „Du bist, was dein Boden nicht mehr hat."

Einleitung: Der Mythos des gesunden Tellers

Stellen wir uns kurz vor, wir leben im Jahr 1950. Ein Bauer steht auf seinem Feld, pflückt eine Tomate und beisst hinein. Diese Tomate ist vollgepackt mit Vitamin C, Lycopin, Kalium und einem ganzen Orchester an Mikronährstoffen, die zusammen ein kleines biochemisches Wunder vollbringen. Die Tomate schmeckt nach Tomate. Vollmundig. Intensiv. Fast schon frech.

Spulen wir vor ins Jahr 2026. Dieselbe Tomate – zumindest optisch – liegt im Supermarktregal. Perfekt rot. Makellose Form. Kein Fleck, kein Knick, keine Persönlichkeit. Sie hat eine Reise von 3.000 Kilometern hinter sich, wurde unreif geerntet, mit Ethylen Gas nachgereift und bei 4 Grad Celsius gelagert, bis sie ihren grossen Auftritt im Gemüseregal hatte. Sie schmeckt nach... Wasser mit Erinnerungen an Tomate.

Und was ist mit den Nährstoffen? Die haben sich grösstenteils bereits vor unserer Begegnung mit dieser Tomate verabschiedet.

Das ist keine Panikmache. Das ist Biochemie.

Dieser Artikel erklärt, warum unser Essen heute weniger Nährstoffe enthält als früher, was das für unseren Körper bedeutet, und warum Nahrungsergänzungsmittel nicht etwa Schwäche signalisieren, sondern schlicht die intelligente Antwort auf eine veränderte Welt sind.


1: Was Vitamine überhaupt sind – und warum sie uns nicht egal sein können

Fangen wir mit den Grundlagen an, denn ohne Grundlagen ist jede Diskussion über Nahrungsergänzungsmittel wie eine Debatte über den besten Motoröl-Typ, ohne zu wissen, dass das Auto einen Motor hat.

Die Vitaminkategorien

Vitamine sind organische Verbindungen, die der menschliche Körper in kleinen Mengen zwingend benötigt, aber selbst nicht (oder nicht ausreichend) herstellen kann. Sie lassen sich in zwei grosse Lager unterteilen:

Fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) Diese Vitamine können im Körperfett und in der Leber gespeichert werden. Das klingt praktisch – und ist es auch. Allerdings bedeutet es auch, dass eine Überdosierung möglich ist, besonders bei A und D. Man nennt das Hypervitaminose, und nein, das ist nicht die neue Netflix-Serie, auch wenn der Name es verdient hätte.

  • Vitamin A: Sehvermögen (besonders bei Dämmerung), Immunsystem, Zellwachstum, Haut. Mangel führt zu Nachtblindheit – ein evolutionärer Albtraum, wenn man bedenkt, dass unsere Vorfahren nachts auch mal das Mammut beobachten mussten.

  • Vitamin D: Das Sonnenvitamin. Knochenaufbau, Immunmodulation, Stimmung, Muskelfunktion, Herzgesundheit – und neuerdings zeigt die Forschung Verbindungen zu fast allem, was schiefgehen kann, wenn man es nicht hat. Mehr dazu später.

  • Vitamin E: Antioxidans, schützt Zellmembranen vor oxidativem Stress. Sozusagen die Bodyguard-Truppe der Körperzellen.

  • Vitamin K: Blutgerinnung und Knochenstoffwechsel. Vitamin K2 speziell lenkt Kalzium in die Knochen statt in die Arterien – eine Funktion, die in den letzten Jahrzehnten eklatant unterschätzt wurde.


Wasserlösliche Vitamine (B-Komplex und C) Diese werden nicht gespeichert, sondern täglich ausgeschieden. Was heute fehlt, fehlt morgen noch. Der Körper ist da ziemlich unbarmherzig.

  • Vitamin B1 (Thiamin): Energiestoffwechsel, Nervensystem. Mangel: Beriberi – keine schöne Erkrankung und der Name klingt auch nicht nach einem Vergnügen.

  • Vitamin B2 (Riboflavin): Energiegewinnung, Entgiftung, Antioxidans-Recycling.

  • Vitamin B3 (Niacin): DNA-Reparatur, Energiestoffwechsel. Der Vorläufer von NAD+, dem Molekül, über das gerade die ganze Anti-Aging-Forschung spricht.

  • Vitamin B5 (Pantothensäure): In fast allem dabei – Hormonproduktion, Fettstoffwechsel, CoA-Synthese.

  • Vitamin B6 (Pyridoxin): Mehr als 100 enzymatische Reaktionen. Neurotransmitter-Synthese (Serotonin, Dopamin). Wer sich schlecht fühlt, aber weiss warum, könnte B6-Mangel haben.

  • Vitamin B7 (Biotin): Haare, Nägel, Fettstoffwechsel. Deshalb im Beauty-Regal, aber eigentlich ein ernsthaftes Stoffwechsel-Vitamin.

  • Vitamin B9 (Folat/Folsäure): Zellteilung, DNA-Synthese, besonders kritisch in der Schwangerschaft. Hier gibt es auch eine wichtige Unterscheidung: natürliches Folat aus Lebensmitteln vs. synthetische Folsäure – dazu später mehr.

  • Vitamin B12 (Cobalamin): Nervensystem, rote Blutkörperchen, DNA-Synthese. Nur in tierischen Produkten in relevanten Mengen vorhanden. Bei veganer Ernährung ohne Supplementierung kommt es unweigerlich zum Mangel. Keine Meinung, reine Biologie.

  • Vitamin C: Das Rockstar-Vitamin. Antioxidans, Kollagenbildung, Immunfunktion, Eisenabsorption, Wundheilung. Linus Pauling war zwar mit seinen Mega-Dosen-Theorien etwas über das Ziel hinausgeschossen, aber Vitamin C bleibt essenziell.


Mineralstoffe und Spurenelemente: Die stillen Helden

Neben Vitaminen braucht der Körper Mineralstoffe in grösseren Mengen (Makromineralien) und Spurenelemente in winzigen, aber unverzichtbaren Mengen.


Makromineralien:

  • Kalzium: Knochen, Zähne, Muskelkontraktion, Nervenimpulse.

  • Magnesium: Über 300 enzymatische Reaktionen. Energieproduktion, Muskelentspannung, Schlaf, Stressregulation. Wenn jemand sagt, er sei immer angespannt, schläft schlecht und hat Muskelkrämpfe, ist Magnesium oft der erste Verdächtige.

  • Kalium: Flüssigkeitshaushalt, Herzrhythmus, Blutdruck.

  • Phosphor: Knochen, DNA, ATP (das Energiemolekül der Zelle).

  • Natrium: Flüssigkeitshaushalt, Nervenimpulse. Von diesem haben die meisten Menschen heutzutage genug – eigentlich zu viel.

  • Schwefel: Entgiftung, Bindegewebe, viele Proteine.


Spurenelemente:

  • Zink: Immunfunktion, Wundheilung, Proteinsynthese, Geschmacks- und Geruchssinn, Hormonstoffwechsel (inklusive Testosteron). Wer nach Corona seinen Geschmack verlor, hat intuitiv gespürt, was Zink-Mangel anrichten kann.

  • Eisen: Sauerstofftransport. Mangel bedeutet Anämie, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme.

  • Selen: Schilddrüsenfunktion, Antioxidans Enzyme, Immunsystem. In europäischen Böden chronisch niedrig.

  • Jod: Schilddrüsenhormone. Ohne Jod keine Schilddrüse, ohne Schilddrüse kein funktionierender Stoffwechsel.

  • Kupfer: Eisenstoffwechsel, Nervensystem, Kollagenbildung.

  • Mangan: Knochenbildung, Enzymfunktion.

  • Chrom: Insulinwirkung, Blutzuckerregulation.

  • Molybdän: Entgiftungsenzyme.

Das ist viel. Niemand kann das im Alltag auswendig tracken. Das ist einer der Gründe, warum Nahrungsergänzungsmittel relevant sind – nicht, weil wir zu faul zum Essen sind, sondern weil die Matrix schlicht zu komplex ist, um sie täglich perfekt zu managen.


2: Der grosse Verrat – Was mit unseren Lebensmitteln passiert ist

Hier wird es interessant. Und ein bisschen traurig.


Die Bodenerschöpfung: Wenn die Grundlage wegbricht

Pflanzen nehmen Nährstoffe aus dem Boden auf. Was nicht im Boden ist, landet nicht in der Pflanze. Was nicht in der Pflanze ist, landet nicht auf dem Teller. Was nicht auf dem Teller ist... nun, das muss woanders herkommen.

Das klingt banal, aber die Konsequenzen sind enorm.

Intensive Landwirtschaft entzieht dem Boden über Jahrzehnte Mineralien und organische Substanz, ohne dass ausreichend zurückgegeben wird. Synthetische Düngemittel liefern zwar die grossen Drei – Stickstoff, Phosphor, Kalium – damit die Pflanze wächst und gut aussieht, aber die anderen 50+ Mineralien und Spurenelemente werden kaum berücksichtigt.

Das Ergebnis? Studien aus den USA und Grossbritannien, die Nährwertdaten von Lebensmitteln über Jahrzehnte verglichen haben, zeigen beunruhigende Trends:

  • Eine Analyse des Biochemikers Donald Davis (Universität Texas, 2004) verglich die USDA-Nährwertdaten von 43 Gemüse- und Obstsorten zwischen 1950 und 1999 und fand signifikante Rückgänge bei Proteinen (−6 %), Kalzium (−16 %), Phosphor (−9 %), Eisen (−15 %), Riboflavin (−38 %) und Vitamin C (−20 %).

  • Eine ähnliche britische Studie des Soil Assoziation zeigte Rückgänge von bis zu 76 % bei bestimmten Mineralien in bestimmten Gemüsesorten.

  • Das wissenschaftliche Konzept dahinter heisst „Dilution Effect": Moderne Pflanzenzüchtung optimiert auf Ertrag (mehr Biomasse), nicht auf Nährstoffdichte. Die Pflanze wird grösser und wässriger, aber die absolute Menge an Mineralien bleibt gleich oder nimmt ab – pro Kilogramm sinkt die Nährstoffdichte.

Anders gesagt: Um dieselbe Menge Eisen wie in einer Tasse Spinat von 1950 zu erhalten, müsste man heute mehrere Tassen essen. Popeye wäre heutzutage auf Supplements angewiesen.


Die lange Reise zum Teller: Was auf dem Weg verloren geht

Selbst wenn eine Pflanze mit Nährstoffen gesegnet ist, verliert sie diese auf dem Weg zu uns.

Ernte vor der Reife: Viele Früchte und Gemüse werden unreif geerntet, weil sie sonst die langen Transportwege nicht überleben würden. Nährstoffe bilden sich aber vor allem in den letzten Reifungswochen am Baum oder Strauch. Eine Tomate, die im brasilianischen Winter gepflückt und in Spanien mit Ethylengas „rot gemacht" wird, hat einen Bruchteil der Nährstoffe einer Tomate, die auf dem eigenen Balkon vollständig ausgereift ist.

Lagerung: Vitamin C, B-Vitamine und viele Antioxidantien sind licht- und sauerstoffempfindlich. Ein Apfel, der vier Monate in einer kontrollierten Atmosphäre gelagert wurde (Standard im Handel), hat erheblich weniger Vitamin C als frisch gepflückt.

Verarbeitung: Kochen, Blanchieren, Einfrieren, Trocknen – all das kostet Nährstoffe. Manche Kochmethoden vernichten bis zu 70 % des Vitamin C. Blanchieren (Standard vor dem Einfrieren) zerstört wasserlösliche Vitamine erheblich.

Raffinierung: Weissmehl entsteht, wenn Vollkorn gemahlen und dann die Kleie- und Keimschicht entfernt wird – genau da, wo das meiste der B-Vitamine, des Eisens und des Magnesiums sitzt. Was bleibt, ist im Wesentlichen Stärke mit einem freundlichen Lächeln.


Pestizide, Herbizide und der Darm-Mikrobiomdisruptor

Glyphosat, das weltweit meistverwendete Herbizid, ist in der wissenschaftlichen Gemeinschaft Gegenstand intensiver Diskussion. Unabhängig davon, wo man in dieser Debatte steht: Es ist gut dokumentiert, dass Glyphosat als Chelator (Mineralstoffbinder) wirkt und die Verfügbarkeit von Mineralien wie Mangan, Kobalt, Molybdän und Zink in Böden und Pflanzen reduziert.

Zusätzlich zeigen neuere Studien, dass die moderne Ernährung und Pestizidbelastung das Darmmikrobiom beeinflussen – und das Mikrobiom spielt eine zentrale Rolle bei der Nährstoffabsorption. Ein gestörtes Mikrobiom kann bedeuten, dass Nährstoffe, die wir theoretisch zu uns nehmen, praktisch nicht aufgenommen werden.


3: Die Lebensweise macht es schlimmer

Die schlechten Nachrichten hören nicht beim Boden auf. Wir selbst tragen aktiv zur Nährstoffarmut unseres Körpers bei – manchmal mit beeindruckender Konsequenz.

Stress: Der Nährstoffräuber Nr. 1

Chronischer Stress aktiviert die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) und führt zur dauerhaften Ausschüttung von Cortisol. Das kostet den Körper Ressourcen – und zwar konkret:

  • Cortisol-Synthese verbraucht Vitamin C (die Nebennieren haben die höchste Vitamin-C-Konzentration im Körper – wenn sie auf Hochtouren laufen, verbrauchen sie entsprechend).

  • Chronischer Stress erschöpft Magnesium, das für die Regulierung von Stresshormonen benötigt wird – ein klassischer Teufelskreis.

  • Zink wird für die Immunreaktion und Wundheilung benötigt; Stress und Entzündungen erhöhen den Bedarf drastisch.

  • B-Vitamine sind zentral für die Energieproduktion und Neurotransmittersynthese – beides läuft auf Hochtouren, wenn das Stresssystem aktiv ist.

Kurz gesagt: Ein stressiges modernes Leben erhöht den Nährstoffbedarf genau dann, wenn die Nährstoffzufuhr oft am schlechtesten ist (Fastfood, Fertiggerichte, zu wenig Schlaf, zu wenig Gemüse).

Schlafmangel

Während wir schlafen, laufen im Körper Reparatur- und Regenerationsprozesse, die eine Vielzahl von Mikronährstoffen verbrauchen. Wer chronisch schlecht schläft, verbraucht mehr – und hat gleichzeitig erhöhte Cortisolspiegel, was zurück zu Punkt 1 führt.

Medikamente: Die unterschätzten Nährstoffräuber

Das ist ein Punkt, über den in der Öffentlichkeit erschreckend wenig gesprochen wird.

Viele gängige Medikamente erschöpfen spezifische Nährstoffe:

  • Metformin (Diabetes-Medikament): erschöpft Vitamin B12 erheblich – ein Mangel, der bei Langzeitanwendern regelmässig übersehen wird und sich als Nervenschäden manifestieren kann.

  • Protonenpumpenhemmer / Antazida (Omeprazol etc.): reduzieren die Magensäure, die für die Absorption von B12, Magnesium, Kalzium, Eisen und Zink notwendig ist.

  • Statine (Cholesterinsenker): erschöpfen CoQ10 (Coenzym Q10), ein zentrales Molekül der mitochondrialen Energieproduktion. Die Muskelschwäche als Nebenwirkung von Statinen ist oft direkt auf CoQ10-Mangel zurückzuführen.

  • Antibiotika: zerstören das Darmmikrobiom, was die Nährstoffabsorption langfristig beeinträchtigt.

  • Die Antibabypille: erschöpft B2, B6, B12, Folat, Zink, Magnesium und Selen. Das ist kein Randphänomen – viele Frauen, die seit Jahren die Pille nehmen, haben einen silent nutritional deficit, der sich in Erschöpfung, Stimmungsschwankungen und anderen Symptomen äussert.

  • Diuretika: erhöhen die Ausscheidung von Magnesium, Kalium und Zink.

Wie viele Ärzte sprechen diese Zusammenhänge proaktiv an? Leider: viel zu wenige.


Alkohol: Der fröhliche Nährstoffvernichter

Alkohol erschöpft B-Vitamine (besonders Thiamin, Folat), Zink, Magnesium und erhöht den oxidativen Stress im Körper, der Antioxidantien verbraucht. Auch mässiger, regelmässiger Konsum addiert sich über Monate und Jahre zu relevanten Defiziten.

Sportlich aktive Menschen

Paradoxerweise sind viele sportlich aktive, gesundheitsbewusste Menschen in bestimmten Nährstoffen mangelhaft – weil körperliche Belastung den Bedarf an Magnesium, Zink, B-Vitaminen, Eisen und Antioxidantien erhöht.


4: Das Vitamin D-Desaster – Ein Fallbeispiel für modernes Mangeldenken

Kein Vitamin illustriert das Problem der modernen Zeit besser als Vitamin D.

Vitamin D ist eigentlich kein Vitamin, sondern ein Prohormon. Der Körper produziert es selbst – aus Cholesterin, durch UV-B-Strahlung der Sonne, auf der Haut. Für tausende Jahre Evolutionsgeschichte war das kein Problem: Menschen verbrachten den Grossteil des Tages draussen.

Heute arbeiten wir in Büros, tragen Sonnenschutz (der die D-Synthese blockiert), leben in Breitengraden mit wenig Sonneneinstrahlung und trauen uns kaum noch aus dem Haus, ohne uns einzucremen. Das Ergebnis:

Schätzungen gehen davon aus, dass 40–80 % der europäischen Bevölkerung einen unzureichenden Vitamin-D-Spiegel haben. In den Wintermonaten ist es noch schlimmer.

Was macht Vitamin D im Körper? Kurze Liste:

  • Kalziumabsorption und Knochenstoffwechsel (der klassische Aspekt)

  • Immunregulation: sowohl die Aktivierung von Abwehrzellen als auch die Hemmung überschiessender Entzündungsreaktionen

  • Muskelfunktion

  • Stimmungsregulation (Zusammenhang mit saisonaler Depression)

  • Herzkreislauf-Gesundheit

  • Insulinsensitivität

  • Zelldifferenzierung (relevant in der Krebsprävention)

  • Gehirngesundheit, kognitive Funktion

Fast jede Zelle des menschlichen Körpers hat Vitamin-D-Rezeptoren. Das ist kein Zufall. Das Vitamin ist ein Masterregulator zahlloser biologischer Prozesse.

Die Empfehlungen sind veraltet: Die offiziellen Empfehlungen (oft 600–800 IE täglich) wurden ursprünglich auf Basis der Prävention von Rachitis (Knochendeformierungen bei Kindern) festgelegt. Die neuere Forschung – inklusive grosser randomisierter Studien – deutet darauf hin, dass für immunologische, kardiovaskuläre und neuroprotektive Wirkungen deutlich höhere Spiegel nötig sind (Serumspiegel von 40–60 ng/mL), was bei vielen Menschen Supplementierungen von 2.000–5.000 IE täglich erfordert.

Wichtig: Vitamin D sollte zusammen mit Vitamin K2 (MK-7) eingenommen werden, da K2 die Aktivierung von Proteinen (Osteocalcin, Matrix-Gla-Protein) unterstützt, die Kalzium in die Knochen lenken und aus den Weichteilen fernhalten. Vitamin D ohne K2 bei hohen Dosen kann zu einer Kalzifizierung von Blutgefässen führen – ein Risiko, das leicht vermieden werden kann.


5: Omega-3 – Die Fette, die keine Angst verdienen

Die Fett-Phobie der 1980er und 1990er Jahre hat uns kollektiven Schaden zugefügt. Fett wurde verteufelt, Hersteller schufen fettarme Produkte voller Zucker, und eine ganze Generation wuchs auf mit dem Glauben, Fett = Feind.

Die Realität ist komplexer. Fett ist nicht gleich Fett.

Omega-3-Fettsäuren (insbesondere EPA und DHA) sind essenziell – der Körper kann sie nicht selbst herstellen, sie müssen über die Nahrung kommen. Und hier hat die moderne Ernährung massiv versagt.

Das Problem ist das Omega-6/Omega-3-Verhältnis:

Unsere evolutionären Vorfahren assen vermutlich in einem Verhältnis von etwa 1:1 bis 4:1 (Omega-6 zu Omega-3). Die moderne westliche Ernährung liefert ein Verhältnis von bis zu 20:1 oder sogar 30:1.

Warum? Weil Omega-6-reiche Pflanzenöle (Sonnenblumen-, Mais-, Sojaöl) in der Lebensmittelverarbeitung allgegenwärtig sind, während fettreicher Seefisch, Walnüsse und Leinöl (Omega-3-Quellen) in vielen Ernährungsweisen selten sind.

Omega-6 und Omega-3 konkurrieren im Körper um dieselben Enzyme. Ein starkes Ungleichgewicht verschiebt die Körperprozesse hin zu proentzündlichen Reaktionen.

Was Omega-3 (EPA/DHA) im Körper macht:

  • Entzündungshemmung

  • Gehirngesundheit (DHA macht etwa 20 % des Gehirns aus – buchstäblich)

  • Herzgesundheit, Triglyzeridreduktion

  • Stimmungsregulation (Zusammenhang mit Depression)

  • Gehirnentwicklung bei Fötus und Säugling

  • Augenschutz (besonders DHA in der Netzhaut)

  • Gelenkgesundheit

Wer nicht 2–3-mal pro Woche fetten Seefisch isst (und zwar echten, nicht panierten Fischstäbchen aus Pollock), hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ein suboptimales Omega-3-Niveau.

Die Lösung: hochwertige Fischöl- oder Krillöl-Supplements (oder Algenöl für Veganer – denn die Fische machen das DHA auch nicht selbst, sie fressen Algen). Hier gilt wie überall: Qualität entscheidet. Ranziges, minderwertiges Fischöl ist schlimmer als keins.


Dein eigenes Gesundheitsbusiness aufbauen? Hier klicken und folgen!


6: Magnesium – Das Mineral, das alle haben sollten, aber die wenigsten haben

Magnesium verdient ein eigenes Kapitel, weil es das vielleicht am häufigsten unterschätzte Mineral ist.

Fakten auf den Tisch:

  • Magnesium ist Cofaktor für über 300 enzymatische Reaktionen im menschlichen Körper.

  • Es ist beteiligt an: ATP-Produktion (Energie), DNA-Synthese und -Reparatur, Proteinsynthese, Muskelfunktion (einschliesslich Herzmuskel), Nervenfunktion, Blutzuckerregulation, Blutdruckkontrolle, Schlafregulation.

  • Schätzungsweise 60–80 % der westlichen Bevölkerung nehmen weniger Magnesium auf, als von Ernährungsbehörden empfohlen wird.

  • Die Böden in Europa sind zunehmend magnesiumarm. Getreide, das früher eine bedeutende Magnesiumquelle war, liefert heute deutlich weniger.

  • Gleichzeitig erhöhen Stress, Koffein und Alkohol die renale Magnesiumausscheidung.

Symptome eines (oft unerkannten) Magnesiummangels:

  • Muskelverspannungen und -krämpfe (der klassische „Wadenkrampf in der Nacht")

  • Schlafstörungen, Unruhe, Reizbarkeit

  • Kopfschmerzen, Migräne

  • Herzklopfen, unregelmässiger Herzrhythmus

  • Fatigue

  • Erhöhte Stressanfälligkeit

  • Verstopfung

Das Tückische: Serummagnesium (der Standard-Bluttest) ist ein schlechter Indikator, weil nur etwa 1 % des Magnesiums im Blut zirkuliert – der Rest ist in Knochen, Muskeln und Geweben. Man kann einen normalen Blutwert haben und trotzdem einen funktionellen Mangel im Gewebe.

Magnesiumpräparate: nicht alle gleich

  • Magnesiumoxid: billig, schlecht bioverfügbar, hauptsächlich als Abführmittel nützlich

  • Magnesiumcitrat: gut bioverfügbar, mild abführend

  • Magnesiumglycinat/Bisglycinat: sehr gut verträglich, hervorragende Bioverfügbarkeit, gut für Schlaf und Nervensystem

  • Magnesiummalat: gut für Energie und Muskelschmerzen

  • Magnesiumthreonat (Magtein): überquert die Blut-Hirn-Schranke, interessant für kognitive Funktion

Wer also chronisch verspannt, schlecht schläft und sich ständig gestresst fühlt, sollte bevor er/sie den nächsten Burnout diagnostiziert lassen, mal seinen Magnesiumhaushalt überdenken.


7: Der Darm – Das vergessene Organ, das alles bestimmt

Kein Artikel über Nährstoffe wäre vollständig ohne den Darm.

Der Darm ist nicht nur ein Schlauch, der Essen durchschleust. Er ist:

  • Das grösste Immunorgan des Körpers (70 % der Immunzellen sitzen im Darm)

  • Die Heimat von 38 Billionen Mikroorganismen (das Mikrobiom)

  • Das „zweite Gehirn" (das enterische Nervensystem hat mehr Nervenzellen als das Rückenmark)

  • Der Ort, an dem Nährstoffe absorbiert werden – oder eben nicht

Ein gesundes Darmmikrobiom produziert selbst Vitamine (K2, bestimmte B-Vitamine), hilft bei der Absorption von Mineralien, reguliert das Immunsystem und kommuniziert über den Vagusnerv mit dem Gehirn.

Was das Mikrobiom zerstört:

  • Antibiotika (notwendig, aber invasiv)

  • Hochverarbeitete Ernährung mit wenig Ballaststoffen

  • Zucker und raffinierte Kohlenhydrate

  • Stress (chronisch erhöhtes Cortisol verändert die Mikrobiomzusammensetzung)

  • Alkohol

  • Pestizide, insbesondere Glyphosat

Was das Mikrobiom fördert:

  • Fermentierte Lebensmittel (Joghurt, Kefir, Sauerkraut, Kombucha, Miso, Kimchi)

  • Präbiotika: Ballaststoffe, die als Nahrung für gute Bakterien dienen (Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Topinambur, unreife Bananen)

  • Pflanzenvielfalt: Studien zeigen, dass >30 verschiedene Pflanzensorten pro Woche die Mikrobiomvielfalt erheblich verbessern

  • Probiotische Präparate: können nach Antibiotikaeinnahme oder bei spezifischen Beschwerden hilfreich sein

Wer seinen Darm vernachlässigt, riskiert, dass gute Nährstoffe im Körper gar nicht ankommen – egal wie viele Supplements man schluckt. Der Darm kommt zuerst.


8: Die Qualitätsfrage – Nicht alle Supplements sind gleich

Hier muss ehrlich gesprochen werden, denn der Nahrungsergänzungsmittelmarkt ist ein Dschungel, in dem neben echten Qualitätsprodukten auch viel Marketinggetriebener Unfug existiert.

Bioverfügbarkeit: Das entscheidende Kriterium

Bioverfügbarkeit beschreibt, wie viel eines Nährstoffs der Körper tatsächlich aufnehmen und nutzen kann. Viele billige Präparate punkten bei der angegebenen Dosis auf dem Etikett, versagen aber bei der Absorption.

Beispiele:

  • Kalziumkarbonat vs. Kalziumcitrat: Ersteres benötigt Magensäure zur Absorption, letzteres nicht – relevant für Menschen, die Antazida nehmen oder schlicht im Alter weniger Magensäure produzieren.

  • Folsäure vs. Methylfolat (5-MTHF): Ca. 40–60 % der Bevölkerung tragen eine Variante im MTHFR-Gen, die die Umwandlung von synthetischer Folsäure in die aktive Form einschränkt. Für diese Menschen ist Methylfolat deutlich effektiver.

  • Cyanocobalamin vs. Methylcobalamin (Vitamin B12): Cyanocobalamin ist billiger und stabil, muss aber vom Körper umgewandelt werden. Methylcobalamin ist die aktive Form und für viele Menschen besser nutzbar.

  • Magnesiumoxid vs. Magnesiumglycinat: Bioverfügbarkeit von ~4 % vs. ~80 %.

Reinheit und Qualitätsstandards

  • Auf Zertifizierungen achten: GMP (Good Manufacturing Practice), ISO-Zertifikate, Drittlabortests

  • Fischöl: Prüfzeichen auf Reinheit (keine Schwermetalle, Pestizide) und Frische (TOTOX-Wert)

  • Herkunft der Rohstoffe

  • Verzicht auf unnötige Füllstoffe, Farbstoffe und Bindemittel

Was man wirklich braucht – und was nicht

Ein strukturierter Ansatz:

Basisversorgung, sinnvoll für die meisten Menschen in gemässigten Breiten:

1.   Vitamin D3 (+ K2 MK-7): 2.000–4.000 IE D3 täglich im Herbst/Winter, individuell nach Serumspiegel (Zielwert: 40–60 ng/mL)

2.   Magnesium: 300–400 mg täglich, bevorzugt Glycinat oder Malat

3.   Omega-3 (EPA/DHA): 1–2g EPA+DHA täglich aus hochwertigem Fischöl oder Algenöl

Häufig zusätzlich sinnvoll:

  • Zink (15–25 mg/Tag, nicht dauerhaft hochdosiert, da Zink und Kupfer konkurrieren)

  • B-Komplex mit aktiven Formen (Methylfolat, Methylcobalamin, P-5-P für B6)

  • Vitamin C (500–1000 mg täglich aus Nahrungsquellen oder gepuffertem Supplement)

  • Probiotika, besonders nach Antibiotika oder bei Verdauungsbeschwerden

Für spezifische Gruppen:

  • Veganer: B12 (unbedingt!), Vitamin D, Omega-3 aus Algen, Jod, Eisen (nach Messung), Zink, Kalzium

  • Ältere Menschen: B12 (Absorption nimmt mit Alter ab), Vitamin D, Kalzium, CoQ10

  • Sportler: Magnesium, Elektrolyte, Proteinversorgung, ggf. Eisen

  • Frauen mit Pille: B-Komplex mit aktiven Formen, Zink, Magnesium

  • Menschen mit bestimmten Medikamenten: siehe Kapitel 3


9: Die Philosophie der Ergänzung – Kein Ersatz, sondern Ergänzung

Hier ist das Wichtigste, das man sagen muss:

Nahrungsergänzungsmittel ergänzen – sie ersetzen keine gesunde Ernährung.

Supplements können nicht ausgleichen, was entsteht durch:

  • Chronischen Schlafmangel

  • Bewegungsmangel

  • Dauerstress ohne Erholung

  • Übermässigen Alkohol- oder Tabakkonsum

  • Eine Ernährung, die hauptsächlich aus hochverarbeiteten Produkten besteht

Was sie können:

  • Spezifische Lücken schliessen, die durch moderne Lebensweise und Lebensmittelproduktion entstehen

  • Den Bedarf bei bestimmten Umständen decken (Schwangerschaft, Sport, Medikamente, Alter)

  • Eine solide Ernährung auf dem letzten Stück optimieren

Die gesunde Ernährungsbasis sollte immer stehen: viel Gemüse und Obst in Vielfalt, hochwertige Proteine (Hülsenfrüchte, Eier, Fleisch aus guter Haltung, Fisch), vollwertige Kohlenhydrate, gesunde Fette, fermentierte Lebensmittel.

Supplements schliessen dann gezielt die Lücken, die realistischerweise trotzdem entstehen.


10: Messen statt raten – Die Rolle von Laborwerten

Idealerweise erfolgt die Supplementierung nicht nach Gusto, sondern nach Messung.

Was man messen lassen sollte (mindestens einmal jährlich):

Parameter

Was er zeigt

25-OH-Vitamin D

Vitamin-D-Status

Ferritin + Transferrinsättigung

Eisenspeicher und -Transport

Holo-Transcobalamin (Holo-TC)

Funktioneller B12-Status

Homocystein

Indirekter B9/B12/B6-Status; Risikofaktor für Herzerkrankungen

Zink im Vollblut (nicht Serum)

Tatsächlicher Zinkstatus

Omega-3-Index

EPA+DHA-Versorgung (Zielwert: >8 %)

hsCRP

Entzündungsmarker

HbA1c

Langzeit-Blutzucker

Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4)

Schilddrüsenfunktion

Viele dieser Tests sind nicht im Standard-Checkup enthalten. Es lohnt sich, die eigene Gesundheit als Investition zu betrachten und diese Messungen aktiv zu erfragen oder privat zu veranlassen.

Einige Anbieter ermöglichen mittlerweile detaillierte Nährstoffanalysen per Kapillarblut (Fingerprick), was den Zugang deutlich erleichtert.


Fazit: Die Intelligenz liegt in der Anpassung

Die Welt hat sich verändert. Die Böden sind ärmer. Die Transportwege länger. Das Leben stressiger. Die Medikamentenlast grösser. Die Sonneneinstrahlung (für uns Büroangestellte) geringer.

Das sind keine Katastrophen – das sind Fakten. Und Fakten verlangen pragmatische Antworten.

Nahrungsergänzungsmittel sind nicht das Zeichen einer gescheiterten Gesundheit oder einer faulen Ernährungsweise. Sie sind die rationale Reaktion informierter Menschen auf ein System, das uns in Bezug auf Nährstoffversorgung strukturell im Stich lässt.

Der kluge Ansatz ist nicht, blind Supplements zu schlucken, die der Instagrammer des Vertrauens empfohlen hat. Der kluge Ansatz ist:

1.   Eine solide Ernährungsbasis schaffen.

2.   Verstehen, welche Lücken für die eigene Situation realistischerweise existieren.

3.   Messen, was messbar ist.

4.   Gezielt, qualitätsbewusst und nach Bedarf ergänzen.

5.   Regelmässig überprüfen und anpassen.

Unser Körper ist das einzige Zuhause, das wir nie verlassen können. Es lohnt sich, ihn gut zu versorgen.

Und die Tomate von 1950 – die werden wir vielleicht nicht zurückbekommen. Aber wir können intelligent auf ihre Abwesenheit reagieren.


Autor: hpb-beratung | info@bk-consult.ch

Datum: Juni 2026

Kategorie: Gesundheit & Prävention

 

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder ernährungsmedizinische Beratung. Bei spezifischen Beschwerden oder Erkrankungen sollte immer ein Arzt, qualifizierter Ernährungsberater, oder ein qualifizierter Naturheilpraktiker konsultiert werden.

Hier werden verschiedene Gesundheitsthemen behandelt. Die Ausführungen dienen nicht der Selbstdiagnose und ersetzen keine Arztdiagnose.

Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, eine Rechtsverbindlichkeit kann daraus nicht abgeleitet werden. Die Angaben sollen anregen und dazu ermuntern, eventuell weitere fachbezogene Artikel zu lesen.

Zu einem ähnlichen Thema? Hier klicken!

Zur Homepage? Hier klicken!

Kommentare


134, Route du Moulin

FR 71500 Vincelles

N +33 (0) 6 40 84 39 39

Tel.   +33 3 85 76 04 91

Kontakt

hpbroot(at)gmail.com

© 2021 - 2026 hpb-beratung

bottom of page