Gesunde Work-Life-Balance
- Hanspeter Bäriswyl

- vor 2 Tagen
- 12 Min. Lesezeit
Gesunde Work-Life-Balance: Die Kunst, nicht auszubrennen, ohne dabei einzuschlafen
Ein Blogbeitrag für alle, die zwischen Kalendereinträgen, Kaffeetassen und Couch-Momenten nach dem richtigen Gleichgewicht suchen – egal ob 22 oder 62.
Der Wecker klingelt. Schon wieder.
Stell dir vor, dein Leben wäre ein Smartphone-Akku. Morgens bei 100 Prozent, glänzend, motiviert, bereit für alles. Und dann, irgendwann zwischen dem dritten Meeting, der Steuererklärung, dem Elternabend und der Wäsche, die sich stapelt wie eine kleine Textilgebirgskette – piept es. "Akku bei 10 Prozent. Bitte Energiesparmodus aktivieren."
Das Blöde: Menschen haben kein Ladekabel, das man einfach in die Steckdose stecken kann, während man weiterscrollt. Und genau darum geht es bei diesem Thema, das gefühlt jede zweite Titelseite eines Wirtschaftsmagazins ziert und trotzdem so schwer zu greifen ist wie nasse Seife: Work-Life-Balance.
Weltweit fühlen sich laut einer aktuellen Erhebung von Gallup 40 Prozent der Arbeitnehmenden an einem durchschnittlichen Tag "sehr gestresst" – nicht "ein bisschen genervt", sondern richtig gestresst [2]. Gleichzeitig sind nur 20 Prozent der Beschäftigten weltweit wirklich engagiert bei der Arbeit, während 56 Prozent eher so vor sich hin "kämpfen" als aufzublühen [2]. Das ist, als würde man ein Fussballstadion mit 50.000 Leuten füllen und nur 10.000 davon wollten überhaupt im Stadion sein.
Die gute Nachricht: Dieser Artikel verspricht dir keine Wunderformel, keine 5-Minuten-Meditation, die alle Probleme löst, und schon gar keine Heilung von irgendetwas. Was er dir stattdessen bietet: einen lockeren, aber faktenbasierten Streifzug durch das Thema Work-Life-Balance – mit Vergleichen, Studien, ein bisschen Humor und der ehrlichen Erkenntnis, dass "Balance" nicht bedeutet, dass alles immer im perfekten Gleichgewicht ist. Für Berufseinsteiger: innen genauso wie für alte Hasen, die schon mehr Jahresendspurts hinter sich haben, als sie zählen möchten.
Was Work-Life-Balance eigentlich ist (und was sie nicht ist)
Fangen wir mit einem weit verbreiteten Missverständnis an: Work-Life-Balance ist keine Waage, auf der links "Arbeit" und rechts "Leben" liegen und beide Seiten exakt gleich schwer sein müssen. Wer das glaubt, wird ständig frustriert sein, weil sich das Leben eben nicht in fein säuberliche 50:50-Häppchen aufteilen lässt.
Ein passenderer Vergleich: Work-Life-Balance ist eher wie Jonglieren. Man hat mehrere Bälle in der Luft – Job, Familie, Freundschaften, Gesundheit, Hobbys, vielleicht auch mal gar nichts tun – und die Kunst besteht nicht darin, alle Bälle gleichzeitig auf derselben Höhe zu halten, sondern zu wissen, welcher Ball gerade Aufmerksamkeit braucht und welcher kurz warten kann, ohne runterzufallen. Manchmal fliegt der "Karriere"-Ball besonders hoch, weil ein wichtiges Projekt ansteht. Ein anderes Mal übernimmt der "Familie"-Ball die Hauptrolle, weil Oma Geburtstag hat oder das Kind Fieber bekommt. Die Kunst liegt darin, dass keiner der Bälle dauerhaft am Boden liegen bleibt.
Diese Sichtweise ist übrigens keine Erfindung von Motivations-Coaches, sondern deckt sich mit dem, was auch grössere Institutionen unter dem Begriff verstehen: ein dynamisches Zusammenspiel zwischen beruflichen Anforderungen und privaten Bedürfnissen, das sich über Wochen, Monate und Lebensphasen hinweg verändert – nicht ein Zustand, den man einmal erreicht und dann für immer behält.
Zahlen, die man nicht ignorieren kann
Bevor wir zu den lockeren Teilen kommen, kurz ein Blick auf die Fakten – denn "fundiert" heisst hier nicht "trocken", aber eben auch nicht "aus der Luft gegriffen".
Die Schweiz im internationalen Vergleich: Wer denkt, die Schweiz sei automatisch Weltmeisterin in Sachen entspanntes Arbeiten, liegt nur teilweise richtig. Im europäischen Vergleich arbeiten Schweizer Erwerbstätige im Schnitt rund 36 Stunden pro Woche – das liegt unter dem europäischen Durchschnitt von 37 Stunden 40 Minuten, aber immerhin rund zwei Stunden mehr als in Deutschland und Österreich, wo im Schnitt etwa 34 Stunden pro Woche gearbeitet wird [5]. Am wenigsten arbeiten übrigens die Niederländer: innen mit rund 30 Stunden 40 Minuten pro Woche – die unangefochtenen Europameister: innen der kurzen Arbeitswoche [5]. Am anderen Ende der Skala liegen Länder wie die Türkei, Serbien und Bosnien-Herzegowina mit teils über 40 bis 42 Wochenstunden [5].
Schaut man auf die konkreten Zahlen des Schweizer Bundesamts für Statistik, wird es noch genauer: 2025 leisteten Vollzeitangestellte in der Schweiz im Schnitt 40 Stunden und 3 Minuten pro Woche – etwas mehr als während der Pandemie, aber immer noch weniger als vor Corona (40 Stunden 54 Minuten im Jahr 2019) [4]. Rechnet man Teilzeitkräfte mit ein, landet man bei rund 35 Stunden 14 Minuten – nah am EU-Schnitt [4].
Der weltweite Blick: Der Global Life-Work Balance Index 2025 des Personaldienstleisters Remote hat 60 Länder anhand von Kriterien wie gesetzlichem Urlaubsanspruch, Mindestlohn, Krankheitsleistungen, Mutterschaftsurlaub, Gesundheitssystem, durchschnittlicher Wochenarbeitszeit und einem allgemeinen Glücksindex verglichen [1]. Das Ergebnis mag überraschen: Ganz oben steht zum dritten Mal in Folge Neuseeland, gefolgt von Irland und Belgien. Deutschland schafft es mit 20 Urlaubstagen, einem Mindestlohn von 12,82 Euro pro Stunde und einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 33,2 Stunden immerhin auf Platz 4 von 60 [1]. Die Schweiz taucht in den Top 10 dieser speziellen Rangliste nicht auf – nicht, weil hier alles schlecht wäre, sondern weil andere Faktoren wie gesetzlicher Mindesturlaub (der in der Schweiz vergleichsweise tief liegt) das Ranking beeinflussen [1].
Was heisst das für dich ganz persönlich? Ehrlich gesagt: nicht allzu viel. Ranglisten sind spannend für den Small Talk am Familienessen, aber sie ersetzen nicht die Frage, wie es dir persönlich mit deiner eigenen Arbeitswoche geht. Trotzdem zeigen sie eines sehr deutlich: Work-Life-Balance ist kein rein individuelles Problem, das man mit der richtigen To-do-Liste löst, sondern hängt auch von Rahmenbedingungen ab – Gesetzen, Unternehmenskultur, gesellschaftlichen Erwartungen.
Die Sache mit dem Smartphone: Immer erreichbar, nie ganz da
Ein Grossteil des modernen Balance-Problems passt in eine Hosentasche. Das Smartphone ist der Grund, warum die Grenze zwischen "im Büro" und "zu Hause" heute eher einer verwischten Wasserfarbe gleicht als einer klaren Linie mit Kreide gezogen.
Laut einer Erhebung von Bitkom sind 38 Prozent der Befragten kategorisch nicht an einer digitalen Auszeit interessiert und beschreiben sich selbst als "Always on" [6]. Das ist mehr als jede: r Dritte, die oder der im Prinzip nie wirklich offline ist – auch nicht am Wochenende, auch nicht im Urlaub, auch nicht auf der Wanderung mit Grosi.
Ein guter Vergleich hier: Stell dir vor, du würdest ein Restaurant betreiben, das nie schliesst. Keine Öffnungszeiten, kein "Feierabend"-Schild an der Tür, 24 Stunden am Tag Bedienung. Die Köchin, der Kellner, alle im Dauerbetrieb. Wie lange, glaubst du, würde dieses Team durchhalten, bevor das Essen anfängt, komisch zu schmecken? Genau. Unser Gehirn ist nicht anders. Es braucht "Ladenschluss" – auch wenn die E-Mail-App das anders sieht.
Das heisst nicht, dass Technologie der Feind ist. Sie ist eher wie Salz beim Kochen: in der richtigen Menge macht sie vieles besser (schneller kommunizieren, von überall arbeiten, flexibler sein), aber wer den ganzen Topf mit Salz kippt, versalzt sich die Suppe gründlich.
Jung vs. Alt: Zwei Generationen, ein Balanceakt, unterschiedliche Bälle
Hier wird es interessant, denn "Work-Life-Balance" bedeutet für eine 24-Jährige im ersten Job etwas fundamental anderes als für einen 58-Jährigen, der seit 30 Jahren im selben Betrieb ist.
Für die Berufseinsteiger: innen ist die grosse Herausforderung oft, überhaupt erst herauszufinden, wo die eigenen Grenzen liegen. Man will sich beweisen, sagt zu vielem Ja, bleibt länger, checkt abends nochmal die Mails – aus Angst, sonst als "nicht engagiert genug" zu gelten. Die Ironie dabei: Genau diese Generation legt laut zahlreichen Arbeitsmarktumfragen inzwischen sehr viel Wert auf klare Grenzen, planbare Arbeitszeiten und mentale Gesundheit als Auswahlkriterium für den Arbeitgeber. Ein Vergleich: Es ist ein bisschen wie beim Autofahren-Lernen. Am Anfang hält man das Lenkrad viel zu fest, mit beiden Händen, angespannt, aus Angst, etwas falsch zu machen. Erst mit der Zeit merkt man: Ein bisschen lockerer lassen, und man kommt trotzdem sicher an – oft sogar entspannter.
Für die erfahreneren Kolleg: innen sieht die Sache anders aus. Hier geht es oft weniger darum, Grenzen überhaupt zu setzen, sondern eher darum, over die Jahre gewachsene Muster zu hinterfragen: "Ich habe das immer so gemacht" ist manchmal einfach nur eine Umschreibung für "Ich habe nie geprüft, ob es auch anders ginge". Dazu kommen oft zusätzliche Verantwortungen – pflegebedürftige Eltern, erwachsene Kinder, die trotzdem noch anrufen, wenn die Waschmaschine streikt, gesundheitliche Themen, die mit dem Alter natürlich häufiger werden. Der Vergleich hier: Es ist wie bei einem gut eingespielten Orchester, das über Jahrzehnte dasselbe Programm spielt. Irgendwann lohnt es sich, auch mal ein neues Stück auszuprobieren, selbst wenn die alten Melodien vertraut und bequem sind.
Das Schöne: Beide Gruppen können voneinander lernen. Die Jüngeren bringen oft einen frischen, direkteren Blick auf Grenzen und Selbstfürsorge mit; die Älteren bringen Erfahrung darüber mit, was langfristig wirklich zählt und was sich im Rückblick als überbewertete Selbstaufopferung entpuppt hat. Eine gute Work-Life-Balance-Kultur im Betrieb ist deshalb selten eine Einheitslösung – sie ist eher ein Buffet, bei dem sich unterschiedliche Menschen unterschiedliche Portionen nehmen dürfen.
Warum "Balance" nicht "Perfektion" bedeutet
Ein häufiger Denkfehler: Menschen glauben, eine gute Work-Life-Balance bedeute, jeden Tag gleich viel Zeit für Arbeit, Familie, Sport, Freund: innen und Netflix zu haben. Das ist ungefähr so realistisch wie der Anspruch, jeden Tag exakt gleich viel zu essen, egal ob Feiertag, Grippe oder Marathon-Tag.
Ein hilfreicher Vergleich kommt aus der Verkehrsplanung: Eine gute Ampelschaltung sorgt nicht dafür, dass alle Autos gleichzeitig grün haben – das wäre Chaos. Sie sorgt dafür, dass im Laufe der Zeit alle mal drankommen und der Verkehr insgesamt fliesst. Genauso funktioniert eine gesunde Balance nicht im Tagestakt, sondern eher im Wochen- oder Monatstakt. Eine Woche mit viel Überstunden wegen eines wichtigen Projektabschlusses ist nicht automatisch ungesund – ungesund wird es erst, wenn diese Ausnahme zur Dauerregel wird und die Erholungsphase danach systematisch ausfällt.
Diese Erkenntnis deckt sich übrigens mit dem, was Gallup in seinem aktuellen globalen Report beschreibt: Nur 34 Prozent der Arbeitnehmenden weltweit geben an, dass es ihnen insgesamt richtig gut geht ("thriving"), während 56 Prozent eher "durchkämpfen" [2]. Das ist kein Aufruf zur Panik, sondern eher eine Einladung, ehrlich hinzuschauen: Wo stehe ich gerade? Kämpfe ich mich seit Monaten durch eine Ausnahmesituation, oder ist "Kämpfen" bei mir eigentlich schon der Normalzustand geworden?
Wenn's kippt: Ein Wort zu Stress und Erschöpfung (ohne Panikmache und ohne Heilsversprechen)
An dieser Stelle ein wichtiger Punkt, der uns am Herzen liegt: Dieser Artikel ist kein Ersatz für medizinischen oder psychologischen Rat, und er verspricht auch keine Lösung für gesundheitliche Beschwerden. Was er tun kann: einordnen, was die Wissenschaft bereits weiss.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Burnout 2019 offiziell als "occupational phenomenon" in ihre internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) aufgenommen – ausdrücklich nicht als eigenständige medizinische Diagnose, sondern als ein Phänomen, das aus chronischem, nicht erfolgreich bewältigtem Stress am Arbeitsplatz entsteht [3]. Beschrieben wird es unter anderem durch drei Merkmale: ein Gefühl von Erschöpfung, eine zunehmende mentale Distanz zur eigenen Arbeit oder Zynismus dieser gegenüber, sowie das Gefühl reduzierter beruflicher Leistungsfähigkeit [3].
Diese offizielle Einordnung ist deshalb bedeutsam, weil sie zeigt: Erschöpfung durch Dauerstress ist kein persönliches Versagen und keine Charakterschwäche, sondern ein anerkanntes Phänomen mit klaren Merkmalen. Wer sich in dieser Beschreibung wiedererkennt, ist damit nicht allein – und ein Gespräch mit einer Hausärztin, einem Hausarzt oder einer Fachperson für psychische Gesundheit ist dann kein Zeichen von Schwäche, sondern ein vernünftiger, aktiver Schritt. Wir maßen uns hier bewusst keine Diagnose oder Behandlungsempfehlung an – dafür sind Fachpersonen da.
Praktische Denkanstösse (ganz ohne Wundermittel-Etikett)
Statt einer "7-Schritte-zur-perfekten-Balance"-Liste, die ohnehin bei jedem Menschen anders aussehen müsste, hier ein paar Denkanstösse, die sich aus den oben genannten Erkenntnissen ableiten lassen – als Anregung, nicht als Rezept:
Öffnungszeiten für dich selbst festlegen. So wie das Restaurant aus unserem Vergleich weiter oben: Wann ist "geöffnet" für berufliche Anfragen, wann ist "geschlossen"? Diese Grenze muss nicht starr sein, aber sie sollte existieren und – wichtig – auch mal kommuniziert werden.
Die Ampel-Logik übernehmen. Nicht jeder Tag muss ausgeglichen sein. Wichtiger ist der Blick auf die Woche oder den Monat: Gab es nach einer intensiven Phase auch wieder eine ruhigere?
Bälle bewusst sortieren. Welcher Lebensbereich braucht diese Woche wirklich Aufmerksamkeit, und welcher darf kurz in der Warteschlaufe bleiben, ohne dass gleich alles zusammenbricht?
Digitale Kaffeepausen einlegen. Man muss nicht komplett offline gehen (dafür ist die Welt inzwischen zu vernetzt), aber bewusste Phasen ganz ohne Bildschirm – und sei es nur beim Mittagessen – wirken oft überraschend erholsam.
Generationen-Wissen austauschen. Jüngere Kolleg:innen und erfahrene Kolleg:innen können sich gegenseitig viel beibringen: die einen über gesunde Grenzen, die anderen über Gelassenheit, die mit der Zeit wächst.
Ranglisten relativieren. Ob die Schweiz nun Platz 4 oder Platz 14 in irgendeinem Index belegt, sagt wenig über dein persönliches Wohlbefinden aus. Nutze solche Zahlen als Denkanstoss, nicht als Massstab für dich selbst.
Wichtig dabei: Keiner dieser Punkte ist ein Versprechen auf ein stressfreies Leben oder eine Garantie gegen Erschöpfung. Sie sind Werkzeuge – wie ein Schweizer Sackmesser. Nicht jedes Werkzeug daran braucht man jeden Tag, aber es ist gut, sie zur Hand zu haben, wenn man sie braucht.
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Homeoffice vs. Büro: Zwei Bühnen, ein Balanceakt
Seit das Homeoffice fest zum Arbeitsalltag vieler Menschen gehört, hat sich die Balance-Debatte nochmal verschoben. Früher war die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit meistens eine physische: Man verliess das Bürogebäude, stieg ins Tram oder ins Auto, und irgendwo auf diesem Weg schaltete der Kopf tendenziell um. Diese Pendelzeit hatte, so unbeliebt sie war, tatsächlich eine psychologische Funktion – sie war eine Art Dekompressionskammer zwischen zwei Welten.
Im Homeoffice fällt diese Übergangszone oft weg. Der Laptop klappt zu, und drei Meter weiter steht schon die Wäsche, die gebügelt werden will, oder die Kinder, die "nur ganz kurz" etwas brauchen. Der Vorteil: mehr Flexibilität, kein Stau, mehr Zeit für die Dinge, die wirklich zählen. Der Nachteil: Die Grenze zwischen "im Dienst" und "Feierabend" muss man sich selbst bauen, weil sie nicht mehr automatisch durch eine Bürotür markiert wird.
Ein hilfreicher Vergleich: Wer zu Hause arbeitet, braucht so etwas wie ein imaginäres Kostüm. Schauspieler: innen ziehen sich vor der Vorstellung um, treten auf die Bühne, spielen ihre Rolle – und ziehen sich danach wieder um, bevor sie nach Hause gehen. Im Homeoffice hilft oft schon ein simples Ritual: der Laptop, der nach Feierabend tatsächlich zugeklappt und weggeräumt wird, ein kurzer Spaziergang statt des Arbeitswegs, oder einfach das bewusste Wechseln der Kleidung. Klein, fast banal – aber für das Gehirn ein klares Signal: "Vorstellung vorbei, Vorhang zu."
Weder das Büro noch das Homeoffice ist per se die "gesündere" Lösung. Beide Modelle haben ihre eigenen Stolpersteine, und beide erfordern bewusstes Grenzen ziehen – nur an unterschiedlichen Stellen.
Länder im Vergleich: Eine kleine Tabelle zum Angeben beim Kaffeeklatsch
Falls du beim nächsten Grillfest mit Zahlen glänzen möchtest, hier eine kompakte Übersicht aus dem Global Life-Work Balance Index 2025 [1] sowie den Arbeitszeitvergleichen für Europa [4][5]:
Land | Platz im Index (von 60) | Ø Wochenarbeitszeit | Bemerkung |
Neuseeland | 1 | – | Drei Jahre in Folge auf Platz 1 |
Irland | 2 | – | Starke Sozialleistungen |
Belgien | 3 | – | Kurze Vollzeitwoche im EU-Vergleich |
Deutschland | 4 | ca. 33–34 Std. | 20 Tage gesetzlicher Urlaub, Mindestlohn 12,82 €/Std. |
Niederlande | nicht in Top 10 des Index, aber Arbeitszeit-Europameister | ca. 30 Std. 40 Min. | Kürzeste Wochenarbeitszeit Europas |
Schweiz | nicht in Top 10 | ca. 36 Std. (Ø aller Erwerbstätigen: 35 Std. 14 Min.) | Hoher Teilzeitanteil, tiefer gesetzlicher Mindesturlaub |
Österreich | – | ca. 33–34 Std. | Ähnlich Deutschland |
Wichtig beim Lesen solcher Tabellen: Eine kürzere Wochenarbeitszeit bedeutet nicht automatisch ein glücklicheres Leben, und ein tieferer Rang in einem Index bedeutet nicht, dass es in einem Land "schlecht" ist zu arbeiten. Diese Zahlen sind Momentaufnahmen, keine Urteile.
Kurz und knapp: Ein paar Fragen, die uns oft gestellt werden
Bedeutet gute Balance, dass ich weniger arbeiten muss? Nicht zwingend. Manche Menschen fühlen sich bei 42 Wochenstunden bestens, wenn die Arbeit sie erfüllt und genug Erholung dazwischenliegt. Andere sind schon bei 30 Stunden erschöpft, wenn der Rest des Lebens gleichzeitig zu viel verlangt. Die Stundenzahl allein ist selten der entscheidende Faktor.
Ist Work-Life-Balance nur etwas für Büromenschen? Nein. Die Grundidee – bewusst zwischen Verpflichtung und Erholung wechseln zu können – betrifft genauso Menschen im Schichtbetrieb, in der Pflege, im Handwerk oder in der Selbstständigkeit. Die konkreten Werkzeuge sehen einfach unterschiedlich aus.
Muss ich jetzt sofort etwas ändern? Nein. Dieser Artikel ist eine Einladung zum Nachdenken, kein Ultimatum. Balance ist, wie weiter oben beschrieben, ein Prozess – kleine, ehrliche Schritte zählen mehr als eine radikale Wochenend-Umkrempelung.
Ein Blick über den Tellerrand: Was Länder und Unternehmen unterscheidet
Interessant ist, dass die Debatte um Work-Life-Balance oft sehr individuell geführt wird ("Wie schaffst DU das?"), während die Zahlen zeigen: Strukturen spielen eine riesige Rolle. Der Vergleich zwischen Neuseeland (Platz 1 im Global Life-Work Balance Index) und vielen anderen Ländern zeigt, dass eine Kultur, die Feierabend und Ferien ernst nimmt, messbare Unterschiede macht [1]. Gleichzeitig zeigt der Ländervergleich innerhalb Europas, dass selbst Nachbarländer wie die Schweiz, Deutschland und Österreich – die sprachlich und kulturell eng verwandt sind – bei der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit spürbar auseinanderliegen (34 bis 36 Stunden im Schnitt) [5].
Das bedeutet für dich als Einzelperson: Ein Teil der Balance liegt in deiner eigenen Hand, keine Frage. Aber ein anderer Teil liegt in den Rahmenbedingungen, die dein Arbeitgeber, deine Branche oder sogar dein Land setzen. Es lohnt sich also, ehrlich zu unterscheiden zwischen "Was kann ich selbst beeinflussen?" und "Wo bräuchte es eigentlich strukturelle Veränderungen, für die ich mich einsetzen könnte – im Team, im Betrieb, in der Gesellschaft?"
Fazit: Balance ist ein Prozess, kein Zustand
Wenn du bis hierhin gelesen hast (danke für deine Zeit – die hast du dir gerade selbst geschenkt), hast du vielleicht gemerkt: Es gibt keine einzelne, universelle Antwort auf die Frage "Wie erreiche ich Work-Life-Balance?". Es gibt Zahlen, die zeigen, dass viele Menschen gerade eher kämpfen als aufblühen. Es gibt Vergleiche, die helfen können, das eigene Verhältnis zu Arbeit und Freizeit neu zu sortieren. Und es gibt die Erkenntnis, dass weder ein 24-Jähriger im ersten Job noch eine 60-Jährige kurz vor der Pensionierung eine perfekte, für immer gültige Lösung finden werden – weil sich Leben eben ständig verändert.
Was bleibt, ist die Einladung, das Thema nicht als Checkliste zu behandeln, sondern als fortlaufendes Gespräch mit dir selbst: Welcher Ball braucht heute Aufmerksamkeit? Wann war zuletzt "Ladenschluss" für die berufliche E-Mail-App? Und: Wann hast du das letzte Mal wirklich, wirklich abgeschaltet – nicht nur das Handy, sondern auch den Kopf?
Falls die Antwort "schon länger nicht mehr" lautet: Das ist kein Grund zur Panik, sondern ein guter Moment für eine kleine, ehrliche Bestandsaufnahme. Ganz ohne Versprechen, ganz ohne Druck – einfach als erster Schritt.
Autor: © hpb-beratung (KI unterstützt) | info@bk-consult.ch / hpbroot@gmail.com
Datum: September 2026
Kategorie: Gesundheit & Prävention
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische, ernährungswissenschaftliche, oder sonstige Beratung und verspricht keine Heilung, Vorbeugung oder Linderung irgendeiner Krankheit. Bei spezifischen Beschwerden oder Erkrankungen, sollte immer ein Arzt, qualifizierter Ernährungsberater, ein qualifizierter Naturheilpraktiker, oder eine sonstige Fachperson konsultieren.
Hier werden verschiedene Gesundheitsthemen behandelt. Die Ausführungen dienen nicht der Selbstdiagnose und ersetzen keine Fachdiagnose.
Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, eine Rechtsverbindlichkeit kann daraus nicht abgeleitet werden. Die Angaben sollen anregen und dazu ermuntern, eventuell weitere fachbezogene Artikel zu lesen.
Quellenverzeichnis
[1] Remote.com: Global Life-Work Balance Index 2025. https://remote.com/resources/research/global-life-work-balance-index
[2] Gallup: State of the Global Workplace – 2026 Global Data Summary. https://www.gallup.com/workplace/697904/state-of-the-global-workplace-global-data.aspx
[3] World Health Organization (WHO): Burn-out an "occupational phenomenon": International Classification of Diseases, 28.05.2019. https://www.who.int/news/item/28-05-2019-burn-out-an-occupational-phenomenon-international-classification-of-diseases
[4] Bundesamt für Statistik (BFS), Schweiz: 2025 wurden mehr als 8 Milliarden Arbeitsstunden geleistet. https://www.admin.ch/de/newnsb/bTJJQKGtA4m5JKrdm-x7Y
[5] watson.ch: Arbeitszeiten in Europa: Die Schweiz liegt unter dem Durchschnitt. https://www.watson.ch/wirtschaft/schweiz/858889166-arbeitszeiten-in-europa-die-schweiz-liegt-unter-dem-durchschnitt
[6] Bitkom e.V.: Die schwierige Balance zwischen Always on und digitalem Detox, Presseinformation. https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Die-schwierige-Balance-zwischen-Always-on-und-digitalem-Detox.html
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