Winterfitness
Winterfitness: So kommst du fit, munter und mit einem Lächeln durch die kalte Jahreszeit
Einleitung: Bär müsste man sein – oder doch nicht?
Winterfitness heisst nicht, bei Minusgraden Marathon zu laufen, sondern in der kalten, dunklen Jahreszeit beweglich, munter und gut gelaunt zu bleiben. Und das geht erstaunlich unspektakulär.
Mal ehrlich: Der Bär hat es gut. Er frisst sich im Herbst eine dicke Speckschicht an, verkriecht sich in seine Höhle und macht bis zum Frühling die Augen zu. Niemand fragt ihn, warum er sich seit November nicht mehr bewegt hat. Wir Menschen haben dieses Privileg nicht. Wir müssen im Winter weiter zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen und zum Schneeschaufeln. Und trotzdem schleicht sich bei vielen von uns ab Oktober der innere Bär ein: Die Sofadecke wird zur besten Freundin, der Znüni-Keks zum Grundnahrungsmittel, und der Wecker klingt morgens wie eine persönliche Beleidigung.
Das ist menschlich, und es ist kein Charakterfehler. Es ist Winter. Es ist dunkel, wenn wir aufstehen, und dunkel, wenn wir heimkommen. Es ist nass, kalt und glatt. Kein Wunder, dass der Schweinehund im Winter Verstärkung bekommt und auf einmal doppelt so gross wirkt wie im Sommer.
Die gute Nachricht: Für Winterfitness brauchst du weder ein teures Abo noch Thermounterwäsche in Neonfarben (obwohl die durchaus Spass machen kann). Du brauchst ein paar clevere Gewohnheiten, etwas Neugier und eine Prise Humor. Genau darum geht es in diesem Beitrag.
Dabei bleiben wir bei den Fakten. Wir stützen uns auf Empfehlungen von Fachstellen wie dem Bundesamt für Gesundheit, dem Bundesamt für Sport, der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Alle Quellen findest du am Ende im Quellenverzeichnis. Was du hier nicht findest: Wundermittel, Heilversprechen oder die Behauptung, mit dem richtigen Tee sei jede Erkältung Geschichte. Dieser Beitrag ist eine Anregung für den Alltag und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Was dich in diesem Beitrag erwartet
Wir schauen zuerst, was der Winter mit unserem Körper und unserer Laune anstellt. Dann geht es um Bewegung draussen und drinnen, um Tipps für Kinder, Erwachsene und Seniorinnen und Senioren, um Essen, Trinken, Schlaf und Licht. Am Ende gibt es einen 4-Wochen-Plan zum Ausprobieren, und zwar so gebaut, dass er auch am grauesten Dienstag im Januar funktioniert.
Zum Mitnehmen vorab: Es geht nicht darum, im Winter perfekt zu sein. Es geht darum, weniger lang auf dem Sofa zu kleben, öfter mal die Nase an die frische Luft zu halten und dabei ein bisschen Freude zu haben. Bären dürfen schlafen. Wir dürfen uns bewegen, und wir dürfen dabei ruhig lachen.
Was der Winter mit uns macht: Kalt, dunkel, träge
Im Winter wirken drei Dinge zusammen: weniger Licht, weniger Lust auf Bewegung und mehr Lust auf Gemütliches. Wer das versteht, kann gezielt gegensteuern, statt sich über die eigene „Schwäche“ zu ärgern.
Weniger Licht, weniger Schwung
Der wichtigste Spielverderber ist das Tageslicht. Wenn es draussen früh dunkel wird und der Himmel wochenlang in Grau gehüllt ist, reagiert unser Körper darauf. Die Techniker Krankenkasse beschreibt es so: Bei Lichtmangel bildet der Körper mehr vom Schlafhormon Melatonin, das müde macht und die Motivation dämpft. Auch der Botenstoffhaushalt im Gehirn gerät durcheinander. Typische Folgen sind Müdigkeit, Heisshunger auf Süsses und Kohlenhydrate, gelegentlich auch Gereiztheit. Das Aufstehen fällt schwerer, das Sofa wird attraktiver. Wenn du dich im Januar wie ein Handy mit 12 Prozent Akku fühlst, bist du also in bester Gesellschaft.
Das Schöne daran: Man kann etwas tun. Schon regelmässig nach draussen zu gehen, auch bei bewölktem Himmel, hilft dem Körper, seinen Rhythmus zu halten. Dazu später mehr.
Warum wir uns im Winter weniger bewegen
Man muss kein Wissenschaftler sein, um zu erkennen, warum im Winter weniger Bewegung passiert: Der Weg zum Fussballplatz ist glatt, das Velo steht im Keller, und die Aussicht auf eine Joggingrunde im Nieselregen begeistert nur Menschen mit Spezialausrüstung und einem gewissen Hang zum Dramatischen. Dazu kommt: Wer sich weniger bewegt, hat auch weniger Energie, und wer weniger Energie hat, bewegt sich noch weniger. Ein Teufelskreis mit Wollsocken.
Die Bewegungsempfehlungen der WHO und des Bundesamts für Sport (BASPO) gelten übrigens das ganze Jahr, auch im Januar. Erwachsene sollen sich pro Woche 150 bis 300 Minuten mit mittlerer Intensität bewegen (oder 75 bis 150 Minuten mit hoher Intensität), Kinder und Jugendliche im Schnitt mindestens 60 Minuten pro Tag. Die zentrale Botschaft der Schweizer Empfehlungen lautet: Jede Bewegung zählt. Das ist im Winter Gold wert, denn es heisst: Auch die Treppe im Bahnhof, der Spaziergang in der Mittagspause und das Schneemänner-Bauen mit den Enkeln zählen.
Kälte ist kein Feind, aber ein Faktor
Kälte ist an sich nichts Schlimmes, sie fordert den Körper aber anders. Die Deutsche Herzstiftung weist darauf hin, dass sich bei starker Kälte die Blutgefässe verengen, der Blutdruck steigt und das Herz gegen einen höheren Widerstand pumpen muss. Für gesunde Menschen ist das im Alltag meist unproblematisch, für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann es aber eine Belastung sein. Darauf kommen wir im Abschnitt über Sicherheit zurück.
Fazit dieses Kapitels: Der Winter ist kein Gegner, er ist eher ein anspruchsvoller Mitspieler. Wer die Spielregeln kennt (Licht tanken, in Bewegung bleiben, die Kälte respektieren), hat gute Karten.
Raus mit dir: Bewegung an der frischen Luft
Draussen bewegen lohnt sich im Winter doppelt: Du tankst Tageslicht und tust nebenbei etwas für Kreislauf und Laune. Die Techniker Krankenkasse empfiehlt bei Winterblues, sich möglichst eine Stunde pro Tag im Freien aufzuhalten, und zwar auch bei bewölktem Himmel. Diese Stunde muss nicht sportlich sein. Sie darf gemütlich, zufällig und in mehrere kleine Häppchen aufgeteilt sein.
Das Zwiebelprinzip: Schichten statt Schwitzen
Der Klassiker unter den Kleiderregeln ist zu Recht ein Klassiker. Mehrere dünne Schichten sind besser als ein dicker Pullover, weil du sie anpassen kannst. Bewährt hat sich die Kombination aus einer atmungsaktiven Schicht direkt auf der Haut, einer wärmenden Zwischenschicht und einer Jacke, die vor Wind und Nässe schützt. Baumwolle direkt auf der Haut ist beim Schwitzen eher unpraktisch, weil sie Feuchtigkeit speichert und dann kalt am Körper klebt. Mit Mütze, Handschuhen und festen Schuhen mit gutem Profil bist du für die meisten Winterspaziergänge gut gerüstet. Und falls du dich darin ein bisschen wie ein wandelndes Sofakissen fühlst: Das ist ein gutes Zeichen, denn dann ist dir warm.
Ein Tipp der Deutschen Herzstiftung, der auch für Gesunde praktisch ist: Ein Schal locker über Mund und Nase wärmt die eingeatmete Luft etwas vor. Das fühlt sich bei eisiger Luft angenehmer an.
Aufwärmen: Der Motor will erst warmlaufen
Bei Kälte lohnt es sich, den Körper sanft in Schwung zu bringen. Fang lieber ein paar Minuten langsamer an, als du es im Sommer tun würdest. Ein zügiger Schritt reicht am Anfang völlig aus, bevor du das Tempo erhöhst. Wer dazu noch ein paar Kniebeugen, Armkreisen oder Hampelmänner im Hausflur einschiebt, hat den Kreislauf schon in Fahrt, bevor die Tür ins Freie aufgeht. Das ist kein wissenschaftlicher Zaubertrick, sondern gesunder Menschenverstand mit Hausschuhen an.
Ideen, die im Winter richtig Spass machen
Hier eine kleine Auswahl an Aktivitäten draussen, die ohne Vereinsmitgliedschaft und ohne Druck auskommen:
Winterspaziergang: Der Klassiker. Nimm eine Thermosflasche mit heissem Tee mit, und schon wird aus dem Spaziergang ein kleines Abenteuer.
Schneeschuhwandern oder Langlauf: Wenn Schnee liegt, sind das sanfte Ausdauersportarten, die auch Einsteigerinnen und Einsteiger gut ausprobieren können. Im Zweifel hilft ein Schnupperkurs vor Ort.
Schlitteln, Schneemann, Schneeballschlacht: Bewegung, die sich nicht wie Bewegung anfühlt. Kinder machen es vor, Erwachsene dürfen mitmachen. Grosseltern dürfen sich als Schiedsrichter versuchen.
Eislaufen: Gleichgewicht, Koordination und Muskeltraining in einem, mit garantiertem Lacher, wenn jemand ins Rutschen kommt. Mit Helm, wenn man unsicher ist.
Winterwanderweg: Viele Gemeinden präparieren Wege, die auch bei Schnee begehbar sind. Erkundige dich vorab, welche Wege geräumt sind.
Velofahren: Nur, wenn die Strassen frei sind und du gut sichtbar bist. Im Zweifel lieber laufen.
Sichtbarkeit: Wer gesehen wird, kommt heil heim
Im Winter ist es früh dunkel. Reflektierende Elemente, Stirnlampe oder Leuchtband erhöhen die Sichtbarkeit deutlich, egal ob du zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem Hund unterwegs bist. Das ist keine Schikane, sondern der einfachste Sicherheitsgewinn des ganzen Winters. Und wer mit Leuchtweste unterwegs ist, sieht zwar aus wie ein Bauarbeiter im Feierabend, kommt aber eher heil zuhause an.
Wenn das Wetter wirklich mies ist
Bei Eisregen, Sturm oder extremer Kälte darfst du dich mit gutem Gewissen drinnen bewegen. Auch die Herzstiftung empfiehlt bei sehr starker Kälte, eher auf Hallen oder Indoor-Training auszuweichen. Das ist keine Kapitulation vor dem Schweinehund, sondern Strategie. Hauptsache, die Bewegung findet irgendwo statt.
Drinnen ist auch draussen: Bewegung im Warmen
Auch zuhause lässt sich vieles tun, und es braucht dazu weder ein Studio noch ein Gerät, das im März als Wäscheständer endet. Entscheidend ist, dass Bewegung in den Alltag passt und nicht erst geplant werden muss wie eine Weltreise.
Alltagsbewegung: die Schleichwege zur Fitness
Die Schweizer Bewegungsempfehlungen raten ausdrücklich dazu, langes Sitzen zu begrenzen und zu unterbrechen, und zwar durch Bewegung jeder Intensität. Das ist eine hervorragende Nachricht für alle, die im Büro festsitzen. Du musst nicht jede Stunde ein Workout einlegen. Es genügt, regelmässig aufzustehen. Ein paar Ideen dazu:
Beim Telefonieren aufstehen und durchs Zimmer gehen.
Treppe statt Lift, auch wenn der Lift so verlockend blinkt.
Eine Station früher aus dem Bus steigen und den Rest laufen.
Beim Zahnputzen auf einem Bein stehen (Gleichgewichtstraining, das keine zusätzliche Zeit kostet, und ein Klassiker unter den Alltagstricks).
Während der Kaffee durchläuft ein paar Kniebeugen machen. Die Maschine braucht ohnehin länger, als man denkt.
Musik an und beim Kochen tanzen. Niemand schaut zu, ausser vielleicht die Katze.
Das 15-Minuten-Wohnzimmerprogramm
Wer gern eine konkrete Vorlage hat, kann sich an diesem kleinen Kreislauf orientieren. Er ist bewusst einfach gehalten, und wer sich unsicher fühlt, macht die Übungen langsamer oder in kleinerer Bewegungsweite. Bei Schmerzen hörst du auf. Wer gesundheitliche Einschränkungen hat, klärt die Übungen vorab mit der Hausarztpraxis oder einer Physiotherapeutin bzw. einem Physiotherapeuten.
Station | Dauer | Was du tust | Augenzwinkern-Faktor |
Aufwärmen | 3 Min. | Auf der Stelle marschieren, Arme kreisen, Schultern lockern | Wie ein Pinguin, der sich aufwärmt |
Kniebeugen | 2 Min. | Wie beim Hinsetzen auf einen Stuhl, dann wieder aufstehen | Der Stuhl bleibt dein Freund |
Wandliegestütz | 2 Min. | Hände an die Wand, Oberkörper hin und zurück | Die Wand ist geduldiger als jeder Trainer |
Zehenstand | 2 Min. | Fersen heben und senken, mit Festhalten an der Stuhllehne | Auch Ballerinen fangen so an |
Einbeinstand | 2 Min. | Auf jeweils einem Bein stehen, zur Sicherheit nah an Wand oder Tisch | Flamingo-Modus |
Dehnen | 4 Min. | Waden, Oberschenkel, Nacken und Rücken sanft dehnen | Endlich darfst du genüsslich seufzen |
Kraft und Gleichgewicht: die stillen Helden
Die WHO empfiehlt Erwachsenen zusätzlich zur Ausdauer zweimal pro Woche Krafttraining für alle wichtigen Muskelgruppen. Für ältere Menschen liegt der Schwerpunkt auf Gleichgewicht, Koordination und Muskelkraft, mindestens dreimal pro Woche. Das klingt nach viel, ist aber in kleinen Portionen gut machbar. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) empfiehlt für die Sturzprävention ein Gleichgewichts- und Krafttraining von idealerweise dreimal pro Woche für mindestens 30 Minuten und nennt als Übungen unter anderem Ausfallschritte, Zehenstand und Einbeinstand. Auf sichergehen.ch gibt es kostenlose Übungsprogramme.
Tanzen, Yoga, Hausarbeit: alles zählt
Wer lieber tanzt als turnt, ist gut aufgehoben. Auch Yoga, Pilates, Gymnastik oder Tanzkurse für Seniorinnen und Senioren bringen Beweglichkeit, Kraft und Koordination auf ihre Weise. Und ja, auch das Staubsaugen, Fensterputzen und Schneeschaufeln (mit rückenschonender Technik und in Massen) sind Bewegung. Das ist keine Ausrede, den Haushalt als Sport zu deklarieren, aber es ist ein kleiner Trost am Samstagvormittag.
Digitale Hilfen
Online-Videos, Apps und Fernsehprogramme bieten viele Kurse für jedes Niveau und jedes Alter. Der Vorteil: Du kannst im Pyjama mitturnen. Der Nachteil: Der Pyjama-Modus lädt auch zum Weiterschlafen ein. Wer mit Menschen zusammen trainieren möchte, findet in Vereinen, Volkshochschulen, Fitnesscentern oder Seniorenturngruppen der Gemeinde passende Angebote.
Für Jung und Alt: Jede Generation hat ihren eigenen Winter
Winterfitness sieht bei einem Vierjährigen anders aus als bei einer Vierzigjährigen oder einem Fünfundsiebzigjährigen. Die Grundidee ist aber die gleiche: regelmässig bewegen, gut anziehen, nicht übertreiben. Die Schweizer und WHO-Empfehlungen unterscheiden deshalb nach Altersgruppen.
Altersgruppe | Empfehlung (BASPO / WHO) | Winter-Idee |
Kinder unter 5 Jahren | Rund 180 Minuten Bewegung täglich (Schweizer Empfehlung) | Pfützenspringen, Schneehügel erklimmen, Kuscheldecken-Parcours |
Kinder und Jugendliche (5–17 Jahre) | Im Schnitt mindestens 60 Minuten pro Tag, dazu Kräftigung von Muskeln und Knochen | Schlitteln, Eislaufen, Schulweg zu Fuss, Tanzen |
Erwachsene (18–64 Jahre) | 150–300 Minuten mittlere Intensität pro Woche (oder 75–150 Minuten hohe Intensität), zweimal pro Woche Kraft | Spaziergang, Velo zur Arbeit, Kurzprogramm im Wohnzimmer |
Ältere Erwachsene (ab 65 Jahren) | Bewegung mit Schwerpunkt Gleichgewicht, Koordination und Kraft, mindestens dreimal pro Woche (WHO) | Sicher gehen, Gleichgewichtsübungen, Seniorenturnen |
Kinder: Energiebolzen ohne Ausschalter
Kinder brauchen selten einen Motivationsschub, sie brauchen eher Gelegenheiten. Die WHO empfiehlt Kindern und Jugendlichen im Schnitt mindestens 60 Minuten Bewegung am Tag, ausserdem soll die Freizeit-Bildschirmzeit begrenzt werden. Im Winter heisst das: Kleide die Kinder wetterfest ein und schicke sie raus, auch bei Schmuddelwetter. Wer nasse Hosen und schlammige Stiefel in Kauf nimmt, wird mit rosigen Wangen und einem kürzeren Abendprogramm belohnt.
Ein paar Ideen für Familien: Eine Schatzsuche im Wald, ein Schneemann-Wettbewerb, ein Nachmittag auf der Eisbahn oder ein Indoor-Hindernisparcours mit Kissen, Stuhl und Wolldecke. Kinder lieben es, wenn Erwachsene mitmachen. Und Erwachsene bewegen sich plötzlich mit, ohne es „Sport“ nennen zu müssen.
Erwachsene: zwischen Zoom-Call und Sofakante
Erwachsene sitzen im Winter oft besonders viel: im Büro, im Auto, auf dem Sofa. Die gute Nachricht steht in den Schweizer Bewegungsempfehlungen: Jede Bewegung zählt. Wer nicht auf 150 Minuten kommt, muss nicht verzweifeln. Auch weniger Bewegung bringt etwas, und jeder zusätzliche Schritt ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Praktisch bewährt haben sich feste Termine im Kalender (ja, wirklich, mit Erinnerung), Bewegungspausen im Büro, ein Spaziergang in der Mittagspause bei Tageslicht und die Verabredung mit Freunden, die einen nicht einfach absagen lassen. Ein Spaziergang mit Freundin oder Freund ist auch ein Gespräch mit Frischluft-Bonus.
Seniorinnen und Senioren: Sicherheit zuerst, Bewegung erst recht
Mit zunehmendem Alter nehmen Muskelkraft und Gleichgewichtsfähigkeit ab. Die bfu empfiehlt deshalb Gleichgewichts- und Krafttraining schon ab etwa 50, um Stürzen vorzubeugen. Im Winter, wenn Gehwege glatt sein können, wird das besonders wichtig. Gut zu wissen: Es ist nie zu spät, anzufangen. Die WHO nennt auch für ältere Menschen ausdrücklich Bewegung mit Fokus auf Gleichgewicht, Koordination und Muskelkraft an mindestens drei Tagen pro Woche.
Praktische Tipps: Rutschfeste Schuhe mit gutem Profil, ein Gehstock mit Eiskrallen bei Bedarf, im Zweifel lieber zu Hause bleiben, wenn es eisig ist, und Gleichgewichtsübungen neben der Küchenzeile einbauen. Wer sich unsicher fühlt, findet bei vielen Gemeinden, Pro Senectute oder Physiotherapiepraxen geeignete Kurse. Und: Wer mit den Enkeln den Schneemann baut, macht nebenbei Krafttraining und Gedächtnistraining zugleich, denn wo war nochmal die Karotte?
Generationenprojekt: gemeinsam statt einsam
Der schönste Winterfitness-Tipp für alle Altersgruppen ist vermutlich der gemeinsame: Enkel und Grosseltern auf dem Winterspaziergang, Familien beim Schlitteln, Nachbarn beim Schneeschaufeln. Gemeinsame Bewegung ist meist unterhaltsamer, verbindlicher und macht mehr Freude. Und wer nicht allein loszieht, bleibt oft eher dabei.
Essen und Trinken: Genuss ja, Wundermittel nein
Im Winter darf es gemütlich sein, und gutes Essen gehört zur kalten Jahreszeit wie der Schal um den Hals. Eine ausgewogene Ernährung unterstützt das Wohlbefinden. Aber kein einzelnes Lebensmittel macht dich „immun“ gegen alles, und wer dir das verspricht, will dir meistens etwas verkaufen.
Der Heisshunger-Effekt
Wer im Winter plötzlich ständig Lust auf Schokolade, Kekse und Brot hat, ist nicht allein. Die Techniker Krankenkasse nennt vermehrten Appetit auf Süsses und Kohlenhydrate als typisches Merkmal des Winterblues, ausserdem eine mögliche Gewichtszunahme in der kalten Jahreszeit. Eine Erklärung ist der Lichtmangel. Das ist kein Grund für ein schlechtes Gewissen. Ein Stück Lebkuchen ist erlaubt. Ein ganzes Blech Lebkuchen, während man Serien schaut, ist eher ein Fall für den inneren Schweinehund mit Zuckerguss.
Hilfreich ist ein Rezept, das ohne Verbote auskommt: Regelmässig essen, damit der Hunger nicht zuschlägt wie ein Wintersturm. Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Obst und Nüsse sollten einen festen Platz auf dem Teller haben. Suppen, Eintöpfe und Ofengemüse wärmen und sind winterlich, ohne schwer im Magen zu liegen. Wer Schokolade nicht lassen kann (und wer kann das schon), geniesst sie am besten bewusst und in Ruhe, statt sie nebenbei zu vertilgen.
Saisonales Gemüse: der Winter ist nicht grau
Der Winter hat auf dem Markt mehr zu bieten, als man denkt. Kohl, Wurzelgemüse, Lauch, Randen, Kartoffeln, Äpfel und Birnen sind typische Vertreter der Saison in der Schweiz. Sie sind meist günstig, lassen sich gut lagern und bieten viel Abwechslung in der Küche. Wer neugierig ist, probiert Neues aus: einmal Rosenkohl im Ofen rösten, eine wärmende Kürbissuppe kochen oder einen bunten Wintersalat mit Randen und Nüssen anmachen. Das ist gesund, lecker und sieht auf dem Teller auch noch nach etwas aus.
Trinken nicht vergessen
Im Sommer merkt man den Durst schnell, im Winter kann er leiser sein. Wer in beheizten Räumen sitzt oder draussen in der Kälte unterwegs ist, verliert dennoch Flüssigkeit. Wasser, ungezuckerter Tee und Kräutertees sind gute Begleiter. Ein warmes Getränk am Nachmittag ist zudem ein kleines Ritual, das gut tut. Suppen und Brühen zählen ebenfalls zur Flüssigkeitszufuhr. Bei Glühwein, Punsch und Co. gilt wie immer: Genuss in Massen, und wer noch Auto oder Skilift steuern will, lässt es lieber bleiben.
Sonnenvitamin im Winter: Vitamin D
Ein Thema, das jeden Winter aufkommt, ist Vitamin D. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) erklärt: Rund 80 bis 90 Prozent des Vitamin D bildet der Körper in der Haut mithilfe von UV-B-Strahlung, nur 10 bis 20 Prozent stammen aus der Nahrung. Im Winter ist die Sonneneinstrahlung in der Schweiz zu schwach für eine ausreichende Bildung, und laut BLV liegen bei über 60 Prozent der Bevölkerung die Blutwerte im Winter unter dem empfohlenen Wert von 50 nmol/l.
Heisst das, dass jetzt alle Kapseln schlucken sollten? Nicht unbedingt. Das BLV nennt bestimmte Personengruppen, bei denen eine Ergänzung besonders geprüft werden sollte, zum Beispiel ältere und pflegebedürftige Menschen, Menschen mit dunklerem Hauttyp oder Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen oder Medikamenten. Die sichere obere Zufuhr liegt für Erwachsene bei 4000 IE pro Tag. Das ist eine Obergrenze, keine Empfehlung, und mehr ist nicht besser. Ob und in welcher Dosis eine Ergänzung für dich sinnvoll ist, klärst du am besten mit der Hausarztpraxis oder der Apotheke. Was jeder tun kann: regelmässig ins Tageslicht, wenn möglich zur Mittagszeit.
Superfoods? Eher super Marketing
Goji-Beeren, Kurkuma-Shots, Ingwer-Bomben: Sie können Teil einer abwechslungsreichen Ernährung sein, wenn sie dir schmecken. Ein Zaubertrank gegen Erkältungen ist keines davon. Ein gewöhnlicher Apfel ist weniger fotogen, gehört aber zu einer abwechslungsreichen Ernährung und ist ohne Umweg über Instagram erhältlich.
Licht an, Schlaf gut: Der Rhythmus macht die Musik
Wer im Winter fit bleiben will, braucht zwei Dinge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: Tageslicht am Tag und erholsamen Schlaf in der Nacht. In Wahrheit hängen sie eng zusammen, denn unser Körper richtet seinen inneren Takt am Licht aus.
Tageslicht tanken wie ein Solarpanel
Die Techniker Krankenkasse empfiehlt bei Winterblues, sich täglich möglichst eine Stunde im Freien aufzuhalten, auch wenn der Himmel bedeckt ist. Selbst an trüben Tagen ist es draussen deutlich heller als in den meisten Innenräumen. Das hilft dem Körper, den Melatonin-Spiegel zu regulieren und die Stimmung zu stabilisieren.
Praktische Wege, mehr Licht zu bekommen:
Die Mittagspause draussen verbringen, und sei es nur für eine Runde um den Block.
Am Arbeitsplatz möglichst nah ans Fenster rücken.
Das Frühstück wenn möglich am hellen Fenster einnehmen.
Vorhänge und Jalousien am Tag ganz öffnen.
Den Arbeitsweg oder einen Teil davon zu Fuss zurücklegen.
Lichtlampen: hilfreich, aber nicht für jeden
Sogenannte Tageslichtlampen mit etwa 10’000 Lux, die täglich rund 30 Minuten am Morgen genutzt werden, werden bei Winterblues häufig genannt. Die TK weist aber darauf hin, dass man vorher ärztlichen Rat einholen sollte. Das ist sinnvoll, denn nicht jedes Gerät ist für jede Person geeignet, zum Beispiel bei bestimmten Augenerkrankungen. Eine Lampe ist also eine mögliche Ergänzung und kein Ersatz für den Gang nach draussen.
Schlaf: die unterschätzte Fitnessdisziplin
Guter Schlaf ist kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für Energie und gute Laune. Im Winter sind wir oft müder, und der Körper würde am liebsten Winterschlaf halten. Statt gegen den Schlafwunsch zu kämpfen, hilft ein fester Rhythmus: ungefähr zur gleichen Zeit ins Bett und wieder aufstehen, auch am Wochenende. Wer am Sonntag bis Mittag schläft, hat am Montag oft den Jetlag ohne Reise.
Allgemein bewährte Gewohnheiten für besseren Schlaf sind ein kühles, dunkles und ruhiges Schlafzimmer, das Handy und andere Bildschirme abends etwas früher wegzulegen, spät am Abend auf schwere Mahlzeiten und viel Koffein zu verzichten und ein kleines Abendritual zu pflegen, etwa Lesen, ein ruhiger Tee oder leichte Dehnübungen. Bewegung am Tag kann ebenfalls zu einem besseren Schlaf beitragen, direkt vor dem Zubettgehen ist intensive Anstrengung aber eher kontraproduktiv.
Wenn du dauerhaft schlecht schläfst, dich tagsüber kaum konzentrieren kannst oder dich anhaltend antriebslos fühlst, sprich mit deiner Hausarztpraxis. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von gesundem Menschenverstand.
Der Wecker und der Wintermorgen
Ein kleiner Trick für den Morgen: Sobald du aufgestanden bist, geh ans Fenster, öffne die Vorhänge und trink ein Glas Wasser. Wer es schafft, danach zwei Minuten an die frische Luft zu treten oder auf den Balkon, gibt dem Tag einen echten Start. Es ist zwar kein Wundermittel, aber ein Wintermorgen fühlt sich damit deutlich weniger nach Zumutung an.
Abwehrkräfte im Alltag: Kleine Gewohnheiten statt grosse Versprechen
Eines vorweg: Ein Immunsystem lässt sich nicht „boosten“ wie ein Handyakku. Es ist ein komplexes Zusammenspiel im Körper, und niemand kann garantieren, dass du mit einer bestimmten Massnahme nicht krank wirst. Was du aber tun kannst: die Alltagsgewohnheiten pflegen, die das Ansteckungsrisiko senken und dem Körper gute Bedingungen bieten. Das ist unspektakulär, aber es wirkt vernünftig und ist gut belegt.
Hygiene: Die Hände sind deine besten Freunde
Das Österreichische Gesundheitsportal nennt die Handhygiene als einen der wichtigsten Bausteine, um Infektionen vorzubeugen. Gewascht werden sollten die Hände unter anderem nach der Rückkehr nach Hause, nach dem Naseputzen, Niesen oder Husten, vor dem Essen und vor der Zubereitung von Speisen. Empfohlen wird, die Hände mit Seife 20 bis 30 Sekunden gründlich einzuseifen, danach gut abzuspülen und sorgfältig abzutrocknen. Wer das Tempo dabei einhält, kann nebenbei ein Lied summen. Zwei Mal „Happy Birthday“ ist eine bewährte Eselsbrücke, auch wenn die Nachbarschaft sich dabei fragen könnte, wer im Badezimmer Geburtstag hat.
Weitere Empfehlungen aus derselben Quelle: nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht fassen, in die Armbeuge oder ein Taschentuch niesen und husten, bei Krankheit zu Hause bleiben und Abstand zu anderen halten sowie die Räume regelmässig lüften. Das klingt selbstverständlich, wird im Alltag aber gern vergessen.
Frische Luft und Lüften
In der Heizperiode sind die Fenster oft geschlossen, und in vollen Räumen sammeln sich Keime schneller an. Regelmässiges Lüften, mehrmals am Tag ein paar Minuten mit weit geöffnetem Fenster, bringt frische Luft in die Wohnung und ist gleichzeitig Erinnerung an die Bewegung: Fenster auf, Arme hoch, tief durchatmen. Das ist eine Mini-Übung, die man auch im Büro vorführen kann, sofern die Kolleginnen und Kollegen keine Zugluft-Allergie haben.
Bewegung: der Klassiker unter den Winter-Empfehlungen
Regelmässige Bewegung gehört zu den Grundpfeilern eines gesunden Lebensstils. Das gilt im Winter genauso wie im Sommer. Es gibt keinen wissenschaftlich gesicherten Weg, sich „immun“ zu machen. Aber Bewegung, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung tragen nach heutigem Wissensstand zu einem gesunden Alltag bei. Wer dazu Stress reduziert, tut ebenfalls etwas für sich.
Impfungen: ein Thema für das Arztgespräch
Die Grippe (Influenza) ist mehr als eine starke Erkältung. Für manche Menschen, etwa ältere Personen, Schwangere oder Menschen mit chronischen Erkrankungen, kann sie gefährlich werden. Ob eine Grippeimpfung für dich empfohlen ist, erfährst du bei der Hausarztpraxis, in der Apotheke oder auf den Informationsseiten des Bundes und der Kantone. Das ist eine persönliche Entscheidung, die man am besten mit medizinischem Fachpersonal bespricht.
Wenn es doch mal erwischt hat
Eine Erkältung kann jede und jeden treffen, auch die Fitnessbegeisterten. Wer erkältet ist, gibt dem Körper Ruhe, trinkt genug und verzichtet auf intensive Belastung, bis er sich wieder gesund fühlt. Ein Spaziergang an der frischen Luft ist bei leichten Beschwerden meist in Ordnung, wenn du dich gut fühlst und kein Fieber hast, hartes Training gilt in dieser Zeit aber als keine gute Idee. Bei Fieber, Atemnot, starken Schmerzen oder länger anhaltenden Beschwerden geh zur Ärztin oder zum Arzt. Und vor allem: Bleib zuhause, wenn du ansteckend bist, damit dein Büro nicht zur Bazillen-Brütstation wird.
Kopfsache: Winterblues, Motivation und der innere Schweinehund
Winterfitness findet zu einem guten Teil zwischen den Ohren statt. Wer sich im Winter antriebslos fühlt, muss deshalb nicht gleich an sich zweifeln. Oft ist es eine Mischung aus Dunkelheit, Gewohnheit und schlichter Bequemlichkeit, und dafür gibt es ein paar praktische Gegenmittel, die ohne Willenskraft-Heldentum auskommen.
Winterblues oder mehr?
Ein Stimmungstief in der dunklen Jahreszeit ist weit verbreitet. Die Techniker Krankenkasse beschreibt typische Anzeichen des Winterblues: Müdigkeit, Antriebslosigkeit, grösserer Appetit auf Süsses und gelegentlich Gereiztheit. Von einer eigentlichen Winterdepression spricht man erst, wenn die Symptome ausgeprägter sind und länger anhalten. Der Unterschied ist wichtig: Ein Stimmungstief gehört zu dieser Jahreszeit oft dazu, eine Depression ist dagegen eine ernstzunehmende Erkrankung, die ärztliche Hilfe braucht.
Wenn dich die Traurigkeit lange nicht loslassen will, du dich kaum noch für Dinge interessierst, die dir sonst Freude machen, oder du dich nicht mehr aus dem Bett bekommst, warte nicht bis zum Frühling. Sprich mit deiner Hausarztpraxis oder einer Fachperson. Bei akuten Krisen oder Gedanken, dir etwas anzutun, wende dich sofort an den Notruf oder die Telefonhilfe (in der Schweiz erreichbar unter der Nummer 143, Die Dargebotene Hand). Dieser Beitrag kann eine ärztliche Abklärung nicht ersetzen.
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Was im Alltag helfen kann
Die TK nennt als Eckpfeiler gegen den Winterblues Aufenthalt im Freien, möglichst viel Tageslicht, Bewegung und soziale Kontakte. Das klingt banal, ist aber ein sehr guter Werkzeugkasten:
Tageslicht: siehe oben, eine Stunde am Tag ist ein guter Richtwert.
Bewegung: Schon ein Spaziergang kann die Stimmung heben.
Menschen treffen: Verabrede dich, auch wenn dir das Sofa etwas anderes zuflüstert. Ein Kaffee zu zweit wirkt oft besser als geplant.
Freude einplanen: Ein Hobby, ein Konzert, ein Spieleabend, ein Kinobesuch: Dinge, auf die du dich freuen kannst, gehören in den Kalender.
Struktur: Ein Tagesablauf mit festen Ankern (Aufstehen, Essen, Bewegung, Schlafen) gibt Halt.
Gewohnheiten statt Willenskraft
Willenskraft ist eine launische Freundin: Am Montagmorgen ist sie voll da, am Donnerstagabend im Januar hat sie Urlaub. Bewährt hat sich deshalb, Bewegung so einfach wie möglich zu machen. Ein paar Kniffe:
Klein anfangen. Zehn Minuten sind besser als null Minuten. Wer klein startet, hat weniger Hemmungen und mehr Erfolgserlebnisse.
Fest einplanen. Lege einen festen Zeitpunkt fest, zum Beispiel: Nach dem Mittagessen gehe ich zehn Minuten um den Block. Ein klarer Auslöser hilft, dass aus dem guten Vorsatz eine Gewohnheit wird.
Das Umfeld vorbereiten. Die Turnschuhe bei der Haustür, die Trainingskleidung schon am Vorabend bereitlegen, der Yogamatte einen festen Platz im Wohnzimmer geben.
Verbündete suchen. Mit Freundin, Nachbar oder Enkelkind macht es mehr Spass, und man kneift seltener.
Belohnungen ohne Schuldgefühl. Ein warmes Bad, ein guter Tee oder die Lieblingsserie nach der Runde sind kein Betrug, sondern Motivationstechnik.
Rückschläge einplanen. Wer eine Woche pausiert, fängt einfach wieder an. Es gibt kein Winterfitness-Gericht, das dich verurteilt.
Humor als Trainingspartner
Ein unterschätzter Tipp: Nimm dich selbst nicht zu ernst. Wer im Winter aussieht wie ein bunter Zwiebelturm, auf Eis leicht rutscht und beim ersten Hampelmann Schnappatmung bekommt, darf darüber lachen. Wer lacht, atmet, und wer atmet, bewegt sich. Ausserdem ist ein Lachen mit anderen gemeinsam ohnehin die beste Sportart, denn sie hat null Verletzungsrisiko.
Sicher durch den Winter: Glätte, Herz und gesunder Menschenverstand
Winterfitness soll Freude machen, nicht in der Notaufnahme enden. Deshalb ein Abschnitt zu den Themen, bei denen ein bisschen Vorsicht sich lohnt. Ohne Angstmacherei, aber mit Respekt.
Glätte: Der Pinguin-Gang
Stürze sind im Winter ein bekanntes Risiko und können jede Altersgruppe treffen. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) betont, dass Stürze jeden treffen können und dass sich mit Training von Kraft und Gleichgewicht das Risiko senken lässt. Ein paar einfache Regeln helfen im Alltag:
Schuhe mit gutem Profil und rutschfester Sohle tragen. Modische Sohlen mit Glanzeffekt sind auf Eis eher eine Einladung zum Schlittschuhlaufen.
Kleine Schritte machen, die Füsse flach aufsetzen und das Gewicht über den Beinen halten. Der Pinguin-Gang sieht komisch aus, funktioniert aber.
Hände aus den Hosentaschen. Wer die Arme frei hat, kann sich besser abfangen und das Gleichgewicht halten.
Nicht auf dem Handy tippen beim Gehen auf glatten Flächen.
Stellen mit Eis umgehen oder Streusalz bzw. Splitt verwenden. Im Zweifel lieber einen längeren, aber sichereren Weg nehmen.
Bei Dunkelheit für gute Beleuchtung und Sichtbarkeit sorgen.
Wenn du älter bist oder dich unsicher fühlst: Im Zweifel bleibt man zuhause. Es gibt keine Medaille für das Gehen bei Blitzeis. Und wenn du jemanden kennst, der das nicht selbst kann, biete deine Hilfe beim Einkaufen an.
Herz und Kreislauf: Kälte macht es schwerer
Die Deutsche Herzstiftung weist darauf hin, dass extreme Kälte die Blutgefässe verengt, den Blutdruck erhöht und das Herz dadurch stärker fordert. Besondere Vorsicht ist demnach bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit, Angina pectoris, nach einem Herzinfarkt, bei Bluthochdruck, Herzschwäche, Vorhofflimmern und nach Beinvenenthrombosen angezeigt. Für sie empfiehlt die Stiftung, anstrengende Tätigkeiten wie Schneeschaufeln zu vermeiden und eher auf Spaziergänge oder Walking auszuweichen. Bei sehr tiefen Temperaturen sind Hallen und Indoor-Training die bessere Wahl.
Auch Menschen ohne bekannte Erkrankung sollten bei Warnzeichen hellhörig sein. Plötzlich auftretender Druck oder ein Brennen im Brustkorb oder Atemnot bei Frost sollten unverzüglich ärztlich abgeklärt werden, so die Herzstiftung, und zwar auch bei sonst gesunden Personen. In der Schweiz erreichst du den Notruf der Sanität unter der Nummer 144.
Wichtig: Wer eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, hohen Blutdruck oder andere chronische Erkrankungen hat oder wieder mit Sport beginnt, nachdem er lange nichts gemacht hat, sollte vorab mit der Hausarztpraxis klären, welche Belastung passt. Das ist keine Formalität, sondern eine Investition in den Spass.
Schneeschaufeln: Sport mit Tücken
Schneeschaufeln ist Krafttraining und Ausdauer in einem und wird gern unterschätzt. Wer nicht trainiert ist oder Herzprobleme hat, sollte es ruhig angehen, Pausen machen und im Zweifel um Hilfe bitten. Nimm kleine Portionen Schnee, halte den Rücken gerade und dreh dich nicht mit voller Schaufel. Ob du die Auffahrt bis Sonntag frei hast, ist nicht wichtiger als dein Rücken oder dein Herz.
Wann ist Pause angesagt?
Höre auf deinen Körper. Bei Fieber, Schwindel, Schmerzen im Brustkorb, ungewöhnlicher Atemnot oder starker Erschöpfung gilt: Aufhören und Rat holen. Bewegung soll gut tun. Wenn sie es nicht tut, ist das ein Signal, und Signale sind dazu da, ernst genommen zu werden. Das gilt vor allem für ältere Menschen, Kinder mit Beschwerden und alle, die eine Vorerkrankung haben.
Der 4-Wochen-Winterfitness-Plan zum Ausprobieren
Jetzt wird’s konkret. Der folgende Plan ist bewusst sanft und alltagstauglich, denn Winterfitness soll nicht den nächsten Vorsatz produzieren, den man Mitte Januar wieder aufgibt. Er ist eine Anregung und keine medizinische Verordnung. Wer gesundheitliche Einschränkungen hat, passt ihn an oder bespricht ihn vorher mit der Hausarztpraxis. Wer schon aktiv ist, steigert die Dosis nach Gefühl.
Woche | Motto | Bewegung | Licht und Erholung | Kopf und Genuss |
1 | Ankommen | Jeden Tag 10 Minuten zu Fuss draussen, am besten bei Tageslicht | Feste Aufsteh- und Schlafenszeit ausprobieren | Ein Lieblingsgericht im Winterlook kochen (zum Beispiel Suppe) |
2 | Aufbauen | Dreimal pro Woche 15 Minuten Wohnzimmerprogramm (siehe oben) plus 10 Minuten Spaziergang täglich | Mittagspause draussen, Frühstück am hellen Fenster | Eine Verabredung zum gemeinsamen Spaziergang |
3 | Dranbleiben | Zwei Kraft- und Gleichgewichtseinheiten (je 15–30 Minuten) und dazu 3–4 Tage Spaziergang | Abends Bildschirme früher weglegen, Abendritual einführen | Ein neues Wintergemüse ausprobieren |
4 | Feiern und Festigen | Eine „Grossaktion“: Schlitteln, Eislaufen, Wanderung oder Schneeschuhtour mit Freunden oder Familie | Eine Lichtstunde draussen am Wochenende | Rückblick: Was hat gut getan? Was behalte ich bei? |
Die Regeln des Plans
Jede Bewegung zählt. Wenn ein Tag ausfällt, ist das kein Weltuntergang. Am nächsten Tag geht es einfach weiter.
Nichts übertreiben. Wer nach zwei Wochen lahmt, hat zu schnell gesteigert. Weniger ist am Anfang mehr.
Sicherheit vor Ehrgeiz. Bei Glatteis, Sturm und extremer Kälte gilt: drinnen bewegen.
Auf den Körper hören. Schmerzen, Schwindel, Atemnot oder Brustschmerzen bedeuten: Stopp und abklären lassen.
Spass ist Pflicht. Wenn dir etwas keine Freude macht, tausche es gegen etwas Passenderes aus.
Varianten für verschiedene Lebenslagen
Familien mit Kindern: Statt Wohnzimmerprogramm gibt es den Hindernisparcours mit Kissen. Aus dem Spaziergang wird eine Schatzsuche oder Fotojagd (Wer findet die grösste Pfütze, die schönste Eiszapfen-Formation?). Kinder brauchen im Schnitt eine Stunde Bewegung am Tag, diese darf ruhig verteilt sein.
Berufstätige mit Sitzjob: Baue alle 30 bis 60 Minuten eine kurze Bewegungspause ein, telefoniere im Stehen und mache einen Mittagsspaziergang zum festen Termin, mit Eintrag im Kalender.
Seniorinnen und Senioren: Beginne mit den Gleichgewichtsübungen aus dem bfu-Programm und geh nur bei sicheren Wegen nach draussen. Ein Spaziergang zu zweit ist doppelt gut: sicherer und unterhaltsamer.
Alle, die vorher lange nichts gemacht haben: Fang mit den 10 Minuten aus Woche 1 an und bleib zwei Wochen dabei, bevor du steigerst. Wer aus dem Nichts startet, freut sich über jeden Schritt, und das darf man auch ruhig feiern.
Mini-Checkliste fürs Kühlschrankmagnet-Format
Heute mindestens einmal draussen im Tageslicht gewesen
Mich bewegt, bis ich leicht ausser Atem war (oder mindestens gelüftet und gestreckt)
Genug getrunken
Etwas Gutes gegessen, ohne schlechtes Gewissen
Jemanden angerufen oder getroffen
Rechtzeitig ins Bett gegangen
Fazit: Der Winter ist kein Gegner, sondern Spielfeld
Winterfitness braucht keine Heldentaten, sondern kleine, machbare Schritte: raus ans Tageslicht, regelmässig bewegen, gut schlafen, gut essen, Menschen treffen und dabei nicht vergessen zu lachen. Die Schweizer Bewegungsempfehlungen bringen es in vier Worten auf den Punkt: Jede Bewegung zählt.
Das gilt für die Vierjährige im Schneeanzug genauso wie für den Fünfundvierzigjährigen im Büro und die Grossmutter, die ihre Gleichgewichtsübungen neben der Küchenzeile macht. Der Winter wird dadurch nicht wärmer und nicht heller, aber dein Umgang damit wird gelassener. Und vielleicht ist das das Schönste: Wer sich im Winter bewegt, erlebt die kalte Jahreszeit bewusster, mit klarer Luft, roten Wangen und dem herrlichen Gefühl, danach wieder in die warme Stube zu kommen.
Ein letztes Mal zur Erinnerung: Dieser Beitrag ist eine allgemeine Anregung und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Vorerkrankungen, Beschwerden oder Unsicherheiten ist die Hausarztpraxis die richtige Anlaufstelle. Und bei akuter Atemnot oder Druck auf der Brust zählt nicht der Blogbeitrag, sondern der Notruf.
Zum Schluss ein Vorschlag: Such dir aus diesem Beitrag genau eine Sache aus und probiere sie diese Woche aus. Ein Spaziergang, zwei Minuten Einbeinstand beim Zahnputzen, eine Tasse Tee am hellen Fenster, ein Anruf bei einer Freundin. Nicht zehn Dinge, nur eine. Der Rest kommt von allein, oder eben nicht, und auch das ist in Ordnung. Der Bär schläft im Winter. Wir bewegen uns, aber in unserem Tempo, mit Tee und einem Lächeln. In diesem Sinn: Ab nach draussen (oder wenigstens ans Fenster)!
Quellenverzeichnis
Alle Quellen wurden am 19.09.2026 abgerufen. Die Aussagen im Beitrag beziehen sich auf die jeweils genannten Fachstellen. Vor der Veröffentlichung sollten die Links und Zahlen noch einmal auf Aktualität geprüft werden.
Nr. | Quelle | Verwendet für |
1 | Minutenangaben für Erwachsene, Kinder und Jugendliche, Kinder unter 5 Jahren, Sitzzeit | |
2 | Hauptbotschaft „Jede Bewegung zählt“, Altersgruppen der Empfehlungen | |
3 | WHO-Empfehlungen 2020 für Kinder, Erwachsene und Ältere | |
4 | Trainingshäufigkeit, Übungsbeispiele, Hinweis auf sichergehen.ch | |
5 | Lichtmangel und Melatonin, Symptome, Zeit im Freien, Lichtlampe, soziale Kontakte | |
6 | Vitamin-D-Bildung, Winterwerte, Risikogruppen, Obergrenze | |
7 | Wirkung von Kälte auf Herz und Gefässe, Schal-Tipp, Warnzeichen, Risikogruppen | |
8 | Händewaschen, Niesen und Husten, Lüften |
Hinweis zu den Quellen: Die Tipps zu Kleidung, Schlafhygiene, Motivation und Ernährung im Alltag beruhen auf allgemein anerkanntem Alltags-Wissen und nicht auf einer einzelnen Studie. Sie sind als Anregung gedacht.
Autor: © hpb-beratung (KI unterstützt) | info@bk-consult.ch / hpbroot@gmail.com
Datum: September 2026
Kategorie: Gesundheit & Prävention
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische, ernährungswissenschaftliche, oder sonstige Beratung und verspricht keine Heilung, Vorbeugung oder Linderung irgendeiner Krankheit. Bei spezifischen Beschwerden oder Erkrankungen, sollte immer ein Arzt, qualifizierter Ernährungsberater, ein qualifizierter Naturheilpraktiker, oder eine sonstige Fachperson konsultiert werden.
Hier werden verschiedene Gesundheitsthemen behandelt. Die Ausführungen dienen nicht der Selbstdiagnose und ersetzen keine Fachdiagnose.
Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, eine Rechtsverbindlichkeit kann daraus nicht abgeleitet werden. Die Angaben sollen anregen und dazu ermuntern, eventuell weitere fachbezogene Artikel zu lesen.
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